(Arising Empire)

Die Gelsenkirchener Band ANY GIVEN DAY ist sicherlich einer der ganz großen Durchstarter im Bereich der modernen Metal Musik. Erst holte man Millionen Clicks mit einem Cover zum Song Diamonds von Rhianna und bereits mit dem zweiten Album "Everlasting" ging es im Jahr 2016 für die Jungs bis auf Platz 14 der deutschen Album Charts. Ein wirklich beachtlichtes Erlebnis und nun drei Jahre später steht mit "Overpower" der dritte Langspieler vor der Tür. Und so viel vorweg, bei dem Ergebnis kann die Reise eigentlich nur noch weiter nach oben gehen.

Schon der Opener 'Start Over' geht nämlich ordentlich zur Sache und kommt mit einer sehr eingängigen Melodie daher. Weiterhin besticht ANY GIVEN DAY Sänger Dennis Diehl mit seiner Stimme, bei der er konstant zwischen Growls und Clean Vocals wechselt. So entsteht eine schöne Kombination zwischen Härte und Melodie, die einfach super ins Ohr geht. Das Konzept geht auch bei 'Loveless' auf. Harte Growls, Riffs und Beats treiben einen immer weiter vorwärts und doch kommt dann dieser Refrain um die Ecke, der eingängiger nicht sein könnte. Sich nicht zwischen brutaler Härte und schönen Melodien entscheiden zu müssen ist einfach super. Das 'Savior' die erste Singleauskopplung geworden ist überrascht wenig. Der melodische Teil überwiegt hier etwas, ist aber auch einfach wunderschön und geknüppelt wird hier natürlich trotzdem, nur eben etwas weniger als in den anderen Liedern. 'Taking Over' bringt neue Würze in die Suppe indem man noch eine Ladung elektronischer Samples in den Topf wirft. Das Ergebnis ist in meinen Augen dadurch noch energetischer und düfte einen im Moshpit ordentlich antreiben.

Nicht weniger spanned geht es mit 'Lonewolf' weiter, die Clean Parts sind sehr ruhig und gehen grade deswegen so unter die Haut. Die Melodie packt einen dazu sofort und will einen erst gar nicht mehr loslassen. Den Titel würdigend geht es bei 'Devil Inside' eine ganze Ecke böser und düsterer zur Sache, ohne dabei die Clean Anteile zu vernachlässigen. 'Sure to Fail' ist so ein bisschen die sichere Nummer auf dem Album und variiert das Konzept auch nicht besonders. Eher eines der schwächeren Lieder für mich. Nach dem kleinen Tief geht aber mit einem der ganz großen Highlights von "Overpower" weiter und das nennt sich 'In Deafening Silence'. Der Beginn erinnert ganz kurz etwas an Black Metal, bevor ein für den klassischen Metal typisches Gitarrenspiel ertönt, Und wie geht es weiter? Man haut uns erstmal schön ein paar Blastbeats um die Ohren. Satte Geschwindigkeit, verdammt packend und schön hart, was für ein geiler Ritt! Da hat es 'Whatever it Takes' nun doch gleich schwerer, die Härte wird aber recht hoch gehalten und damit ist es sehr gut platziert. Vor allem die Drumbeats wissen mal wieder zu gefallen und insgesamt gibt es hier einfach nichts zu meckern.

Photo courtesy of Arising Empire

'Fear' ist eines der ruhigsten Lieder auf "Overpower" und verzichtet fast komplett auf Growls. Der Fokus liegt also komplett auf der melodischen Seite und setzt den Clean Gesang perfekt in Szene. Teilweise kommt es schon fast balladesk daher und ist damit ein komplettes Gegenprogramm zu 'Never Surrender', welches das Album abschließt. Dieser Song richtet sich gegen alle Hater und von denen hat eine Band die modernen Metal spielt wohl leider genug. Ich kann nicht anders als dem Teil einen wahren Hymnencharakter zuzusprechen. Super griffig, mit der Botschaft wird sich jeder identifizieren können und einfach nur geil. Ich glaube es könnte sich ziemlich schnell zu einem Dauerbrenner entwickeln, welcher in Zukunft seinen festen Platz bei den Zugaben auf den Konzerten finden könnte.

Ja, nicht nur dank des Gesangs von Dennis Diehl beweisen ANY GIVEN DAY das sie wohl inzwischen mit zur Speerspitze der deutschen Rockmusik gehören. Große Überraschungen sollte man nicht erwarten, aber das Konzept geht dafür auch viel zu gut auf. Härte trifft auf eingängige Melodien und wird eben dank dieser großartigen Stimme zu einem Erlebnis. Mit 'In Deafening Silence' und 'Never Surrender' befinden sich dann auch gleich zwei absolute Knallertracks am Start, wo die meisten Bands sich wünschen auch nur einen Song dieser Qualität auf dem Album zu haben. Aber grade weil diese zwei Lieder das Konzept noch weiter verfeinern und teilweise die wildesten Elemente zusammen packen, glaube ich das ANY GIVEN DAY noch etwas experimentierfreudiger werden dürfen. So gibt es halt doch ein bis zwei Tracks, die einen nicht komplett abholen. Nichtdestotrotz liegt mit "Overpower" nun ein starkes Album vor, welches die Fanbase noch mal um einiges erweitern wird.

Anspieltipps: 'Savior', 'In Deafening Silence', 'Never Surrender'

Album-VÖ: 15.03.2019