(My Oh My Records)

VIVIE ANN veröffentlicht mit "When The Harbour Becomes The Sea" bereits ihren zweiten Longplayer und etabliert sich damit als unabhängige Selfmade Künstlerin. Dank Crowdfunding gründete die Sängerin ihr eigenes Label, scharte eine ganze Riege an Mitstreitern, Musikern und Produzenten um sich, und hielt so vom Songwriting über die Produktion bis hin zum Coverdesign alle Fäden selbst in der Hand. Ein Album ohne Kompromisse und das klingt gut.

Möchte man die richtige Schublade für die Musik von VIVIE ANN finden, so müsste man wohl zum Pop-Fach greifen und Referenzen wie Amy MacDonald oder Leslie Clio nennen. Dennoch sticht die Musik der jungen Wahl-Hamburgerin aus dem langweiligen Pop-Einerlei heraus. Das wird auf "When The Harbour Becomes The Sea" spätestens beim Track 'Anytime' deutlich, wenn nach knapp drei Minuten Spieldauer die Instrumente im Chaos zu versinken drohen und erst der durch und durch Catchy-Refrain wieder für Ordnung sorgt:

Das die junge Musikerin eine ganze Reihe an Hits auf diesem Album angesammelt hat und man sich dessen auch bewusst ist, zeigt die Tatsache, dass man eine ganze Reihe an Vorabsingles in den Orbit geschossen hat um die Leute heiß auf "When The Harbour Becomes The Sea" zu machen. Auch in Post-MTV Zeiten alles stark bebildert mit tollen Videos, wobei man sicher das außergewöhnliche Video zu 'Obsolete Majesty' herausheben muss. Im tiefsten Winter lief Vivie dafür an der Küste Islands im Unterkleid und barfuß durch die schneebedeckte Landschaft. Die Wassertemperatur lag bei 0 Grad, die Lufttemperatur bei - 12 Grad. Dazu wurde alles rückwärts und im doppelten Tempo gedreht - so dass Vivie Teile des Songtextes in doppelter Geschwindigkeit rückwärts singen musste! Doch die Mühe hat sich gleich mehrfach gelohnt: Neben den Polarlichtern, die es nach der Arbeit zu bestaunen gab, ist ein Video herausgekommen, das eine wunderbare Kraft und starke Emotionen transportiert. Man spürt förmlich nach, wie sich die Geschichte der unerfüllten, gescheiterten Liebe bei 'Obsolete Majesty' in den kalten und erstarrenden Bildern wie von selbst erzählt:

"When The Harbour Becomes The Sea" versammelt eine ganze Reihe opulenter Popnummern, welche aber auch für Indie-Ohren funktionieren dürften. Das liegt dann letztendlich an den tollen Arrangements und der Detailverliebtheit der einzelnen Tracks, denen man höchstens zum Vorwurf machen könnte, dass sie unter einer etwas zu konsensträchtigen Oberfläche vergraben sind. Bisher mein Lieblingspoprelease aus 2019. Und wer die junge Dame live erleben möchte findet die entsprechenden Termine im Tourtrailer:

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Anytime'

Album-VÖ: 15.03.2019