Fast drei Jahre ist es nun her das SUBWAY TO SALLY, im Rahmen ihrer Neon-Tour, das letzte Mal in Hannover gespielt haben. Damals waren 650 Fans anwesend und noch viel Luft nach oben gewesen. Mit neuem Album "Hey!" im Gepäck sah es gleich anders aus und so hieß es ausverkauft und keine Abendkasse mehr möglich. Das machte sich auch im Pavillon direkt bemerkbar, war damals bis kurz vor Konzertstart der Raum kaum gefüllt, warte ich diesmal in einer langen Schlange erstmal ein gutes Stück, bevor es überhaupt nach drinnen geht. Im Inneren angekommen, füllt es sich vor der Bühne auch zügig, so dass es mit Beginn des Vorprogramms schon sehr voll ist.

MAJORVOICE sind Vorband und dabei handelt es sich um den Opernsänger Ronald Zeidler, der mit seiner tiefen Bassstimme, Interpretationen von Pop- und Rocksongs zum Besten gibt. Auf dem Album sind es eigentlich Rockversionen, aber für diese Tour hat er sich für Klassikversionen entschieden, weil er ein entschleunigten Einstieg in den Abend verschaffen will. So gibt es gut 35 Minuten Coversongs, atmosphärisch verpackt in ein neues Klassikgewand. Leider spielt das Publikum dabei nicht so wirklich mit. Bei vielen Liedern gibt es Zwischenrufe und der Respekt lässt einfach zu wünschen übrig. Auch wenn diese Zwischenrufe alle aus derselben Richtung zu kommen scheinen. Für viele wohl ein Vorprogramm, auf das sie sich wenig einstellen können oder wollen. Vielleicht wären die Rockversionen, hier doch besser angekommen.

Um 21.55 Uhr wird es dann wieder dunkel und SUBWAY TO SALLY betreten die Bühne. Im Vorfeld hieß es für die Fotografen, dass während des ersten Liedes keine Bilder erlaubt sind. Nun weiß man auch warum, es wird nämlich 'Messias' dargeboten und zwar in den Diskoklamotten aus dem Musikvideo, inklusive der Perücke von Eric Fish. Würde man solche Fotos in seinen Konzertbericht packen, so würde das schon ein bisschen das Gesamtbild verfälschen. Direkt zum folgenden 'Island' ist der Fummel aber abgelegt und die Atmosphäre wird gewohnt düster. Auf dem Album ist es ja ein sehr agressiver und druckvoller Einstieg, aber live fehlen die Growls von Chris Harms schon ein bisschen. Es mag aber auch daran liegen, dass der Sound alles andere als optimal ist. Bass und Gitarre sind kaum einzeln herauszuhören und werden zu einem einzigen Mischmasch und das Sängermikro ist teilweise noch deutlich zu leise eingestellt. Daraufhin geht es aber schon in Richtung Klassiker und mit 'Knochenschiff' und 'Kleid aus Rosen' kommen ja auch wahre Fanlieblinge direkt an die Reihe. Besonders bei letzterem wird natürlich lauthals mitgesungen. Insgesamt erwartet einen eine sehr gelungene Mischung aus neuen und älteren Liedern. Der Sound wird im Laufe der Show auch etwas besser, aber so wirklich überzeugen will er an diesem Abend leider nie.

Was auffällt ist, dass die neueren Lieder ständig deutlich druckvoller aus den Boxen ertönen. Vor allem die Songs vom "Engelskrieger" Album hätte ich gerne so gehört. Die wirkten teilweise aber zu lasch im Mix. Im Endeffekt ist das zwar ärgerlich, schmällert aber nur wenig den Spaß an diesem Abend. Dafür ist die Setlist zu gut und die Band mit zu viel Spielfreude bei der Sache. Geigerin Ally Storch ist ja erst seit Winter 2016 als festes Mitglied dabei. So darf sie mit 'Anna's Theme' quasi auch ein Solo zum Besten geben. Leider aber auch hier wieder das Bild, ein leises und klassisches Stück Musik und schon wieder wird im Publikum lauthals geredet. Wenn man nicht einmal den Respekt für den Hauptband aufbringen kann, dass soll man bitte das Konzert erst gar nicht besuchen. Bei SUBWAY TO SALLY, die so viel Wert auf Atmosphäre setzen, ist dies nämlich gleich doppelt ärgerlich.

Sonst ist das Publikum ziemlich gut aufgelegt, auch wenn die Stimmung immer noch ein kleines bisschen besser sein könnte. So war man in der Vergangenheit es doch gewohnt, dass noch ein größerer Teil der Besucher mitgeklatscht und getanzt hat. Dafür ist die Bude aber wirklich gerammelt voll und das ist ja auch schonmal schön zu sehen. Und wenn dann im zweiten Zugabenblock gesammelt der Refrain von 'Julia und die Räuber' gesungen wird, dann ist auch das alles vergessen.

SUBWAY TO SALLY lieferten ein gewohnt schönes Programm, ohne besondere Überraschungen parat zu haben. Es wurde also die gewohnte, aber sehr hochwertige Show dargeboten. Die Bühnendeko mit den vielen Lichtern war sehr gelungen, wenn man natürlich als alteingesessener Fan doch irgendwo die Pyroeffekte vermisst hat. Im Anschluss an das Konzert stand die ganze Band dann auch recht fix für Fotos und Autogramme bereit, diese Fannähe hat man bis heute nämlich nicht aufgegeben. So sollte es für die meisten Besucher ein wirklich runder Abend gewesen sein.