(Arising Empire)

Die Hardcore Band POLAR feiert dieses Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum und um das zu zelebrieren erwartet uns die Tage mit "Nova" das neue Album der Jungs aus England. Bereits in der Pressemitteilung ist großspurig zu lesen, dass es sich ihnhaltlich um eine komplett neue Band handelt, die neue Wege gehen will. Also alte Besetzung aber komplett neue Wege in der Musik? Wollen wir doch mal schauen was an diesen Worten so dran ist.

'Mære' ist dabei eigentlich nur ein kleines elektronisches Intro zu 'Devil'. Dort legt dann Sänger Adam Woodford gleich im typischen Hardcore Stil los und zeigt uns wo der Fisch die Locken hat. Im gewohnten POLAR-Stil dürfen aber an vielen Stellen auch die restlichen Bandmitglieder lauthals mitsingen. Hinten raus wird man dann etwas experimentierfreudiger und zeigt sich auch von einer etwas ruhigeren Seite. Weiter geht es mit 'Cradle' bei dem die Melodie deutlich mehr in den Fokus gerückt wird. Die gewohnte Härte wird dabei nicht vernachlässigt, aber grade der mehrstimmige Gesang in Verbindung mit der Melodie wertet das Lied ziemlich auf. Dazu gibt es auch einige clean gesungenen Stellen. Ein ganz starker Song, der bei mir nun schon wochenlang aus den Boxen erklingt. Dem Thema starke Melodien bleibt man auch bei 'Drive' treu, hier zeigt sich dann auch, was mit der neuen Seite gemeint ist, die ganze Zeit unterstützt ein tiefer elektronischer Beat, wie aus 80er Jahre Dystopien, das Stück und das klappt unglaublich gut. Und die "Oh-Oh" Mitsingstellen werden uns auf Konzerten in Zukunft richtig anfeuern.

Photo by Gavin Thane and Tom Green

Glaubt mal nicht, dass es nach zwei solchen Knallern schlechter wird. Den 'Adore' wird euch bereits in den ersten 30 Sekunden, wo lediglich die Instrumente zu hören sind, die Hosen ausziehen. Der Refrain zieht einen hier förmlich in seinen Bann und es ist echt schwer ihm wieder entfliehen zu können. Aber eigentlich will man das ja auch gar nicht. Darauf wird es richtig melancholisch und POLAR beweisen mit 'Sonder', dass sie auch das perfekt beherrschen. Es handelt sich hierbei um ein reines Instrumentalstück, welches sehr langsam und ruhig daher kommt. Dabei werden starke Erinnerungen an das letzte Being As An Ocean Album geweckt und es ist einfach wundebar um sich einmal fallen zu lassen.

Eine Frauenstimme führt uns dann in 'Amber' ein, welches sich gesanglich wieder deutlich von den Vorgängern abhebt, weil Adam hier längst nicht so agressiv zur Sache geht und die Frauenstimme das Konstrukt deutlich auflockert. Hier verschmelzen alle verschiedenen Gesangsstimmen und die Intrumente zu einem überzeugendem Ganzen. An sich ist 'Breathe' deutlich mehr im Hardcore verankert, als die letzten paar Stücke auf "Nova", aber auch hier gibt es genügend Elemente, die es von der Masse abheben. So gibt es im Hintergrund quasi einen Chor der mitsingt und der Refrain ist dann auch nicht ganz so agressiv dargeboten wie die Strophen. Bei 'Prey' hört man dann wieder die elektronischen Einflüsse sehr deutlich, wobei man sich durch diese nicht täuschen lassen sollte. Tatsächlich wird hier nämlich ziemlich doll geknüppelt, was sich vor allem im Drumsound sehr positiv niederschlägt.

'Dusk' schlägt in eine ähnliche Kerbe wie 'Sonder', nur dass es diesmal nicht rein instrumental bleibt, sondern eine Gastsängerin dazu singt. So wird eine verträumte Atmosphäre erschaffen, die nach knapp einer Minute, aber direkt in die volle Gewalt von 'Midnight' umschlägt. Das Lied behandelt das Thema sexuelle Nötigung und Sänger Adam Woodford verarbeitet damit ein Ereignis aus seiner eigenen Vergangenheit. Erst mit diesem Wissen, lässt sich das Stück auch erst vollends verarbeiten und macht es umso eindrucksvoller. MIt 'Brother' erwartet einen dann schon das letzte Lied, welches mit über sechs Minuten aber auch sehr lang ausgefallen ist. Hier werden dann, entsprechend der Länge, aber auch wieder viele verschiedene Elemente in den Topf geworfen. So gibt es wieder Clean Vocals, eine bombige Melodie, Mitsingstellen und noch viel mehr. Wenn das Stück am Ende dann langsam leiser wird, und irgendwann endet, verbreitet das eine regelrechte Gänsehaut.

Tatsächlich lässt sich "Nova" recht gut in zwei Hälften einteilen, die Erste ist dabei recht schnell und verdammt eingängig. Hier reißt einen die Spielfreude sofort mit, während die zweite Hälfte düsterer und deutlich vertrackter daherkommt. Dabei sprechen POLAR dann auch die emotionale Ebene deutlich mehr an. Es kann nur manchmal recht schwer sein sich so schnell von der einen auf die andere Hälfte umzustellen. So oder so ist "Nova" sicherlich nicht nur das persönlichste, sondern auch das beste Werk welches die Jungs hier abgeliefert haben. Eine uneingeschränkte Kaufempfehlung tritt also mit sofortiger Wirkung in Kraft und man kann nur gespannt bleiben wohin die Reise noch gehen wird.

Anspieltipps: 'Drive', 'Adore'

Album-VÖ: 05.04.2019