(Danse Macabre)
Gerade mal ein Jahr (und zwei Wochen) ist es her, dass WISBORG ihr Aufmerksamkeit erregendes Debüt rausgebracht haben, und getreu dem Motto "Man muss das Eisen schmieden, wenn es heiß ist" schiebt das Duo den Nachfolger hinterher mit dem Titel "From The Cradle To The Coffin". Bei der letzten Scheibe habe ich noch persönliche Baustellen im Sound der Jungs gesehen, und zu meiner großen Freude wurden meine Erwartungen an das neue Album sogar übertroffen!
WISBORG machen Goth-Rock für die Schwarze Szene, das hört man, das sieht man und erkennt man letztendlich auch an den melancholie-durchtränkten Texten. Dabei wirken sie aber nicht gekünstelt, sondern authentisch, und das ist wichtig. Lediglich die Kritik bleibt, dass mir die Stimme von Sänger Konstantin ein wenig affektiert erscheint, aber genau das ist es wahrscheinlich, was in der Szene besonders gut ankommt.
Im Vergleich zum Vorgängeralbum merkt man sofort, dass das gesamte Songwriting mit einer gewissen Selbstsicherheit versehen ist, wo man vorher noch ein wenig unschlüssig war, wohin die Reise gehen soll. Auch Sound-seitig hat sich einiges getan, denn jetzt haben wir es deutlich mehr mit "analogen Klängen" zu tun. Ein leichter Ruck von der Elektro-Seite zur Rock-Seite der Band scheint stattgefunden zu haben, ohne dass man das Gefühl bekommt, dieses Album hätte nichts mit dem vorherigen zu tun. Umrahmt wird das Album von Klavierklängen zur Einleitung sowie als Outro, und auch zwischendurch findet man immer mal wieder ruhigere Passagen.

Copyright Laguz photography, Wisborg

Alles in allem wirkt "From The Cradle To the Coffin" deutlich runder als das Debütalbum, viel mehr als vorher habe ich das Gefühl, dass hier nicht nur auf die einzelnen Songs geachtet wurde, sondern auf die Stimmigkeit über das gesamte Album hinweg. Manche Songs, von denen man schon denken mag, dass sie vorbei sind, bauen dann noch einmal so dermaßen Spannung auf, dass es schon teilweise Film-Soundtrack-Qualitäten hat, denn gerade dann, wenn die Jungs nur mit wenigen Klängen spielen, also die klassischen Strukturen von einem Song verlassen, zeigt sich, wie weit das alles tatsächlich gedacht ist.

Habe ich die erneut im Pressetext als Referenz bemühten Type O Negative letztes mal nur mit viel Augendrücken heraushören können, so sind diesmal deutlich klarere Bezüge dabei, und das ist für mich und meinen Mikrokosmos genau die richtige Entscheidung gewesen! "From The Cradle To The Coffin" ist genau die richtige Musik für Tage, an denen man sich schlecht fühlt, und das ist als Kompliment gemeint!

Photo by Laguz Photography

ALBUM-VÖ: 29.03.2019