Bei Konzerten von SALTATIO MORTIS im Capitol in Hannover, ist das folgende Bild inzwischen zum Standard geworden. Einlass ist erst in einer guten Stunde und trotzdem geht die Schlange vor der Tür einmal komplett über die Brücke. Nach inzwischen drei Nummer Eins Alben in Folge, haben sich die Jungs aber auch einen immer größeren Fankreis erarbeitet, welcher deutlich über die Mittelalterszene hinausgeht. Und trotzdem spielen SALTATIO MORTIS im Sommer noch regelmäßig auf Mittelaltermärkten im ganzen Land. Seinen Ursprung hat man längst nicht vergessen, auch wenn man sich musikalisch deutlich weiterentwickelt hat. Die Einlasskontrolle geht zum Glück recht zügig und so füllt sich das Capitol in einer rasend schnellen Geschwindigkeit.

Bereits um 20 Uhr zu Beginn der Vorband, lässt es sich eigentlich kaum mehr bewegen und es ist gerammelt voll. Ist man bis jetzt eigentlich immer eine Band aus der Mittelalterszene oder ähnlich folkigem Unterbau gewohnt gewesen, so gibt es diesmal eine große Überraschung. Die Jungs von INDECENT BEHAVIOR entern nämlich die Bühne und bringen uns damit Melodic-Hardcore-Punk mit. Das ist einerseits sehr erfrischend, bei dem vorhandenen Publikum hatte ich aber tatsächlich erst Zweifel, ob das wirklich gut gehen wird. Aber die Rechnung geht zum Glück sehr gut auf, ein paar Fans gucken verdutzt und man sieht ihnen an, dass sie mit dieser Musikrichtung nicht so viel anfangen können, aber die große Masse scheint sehr begeistert zu sein. Und dafür haben sie auch allen Grund, die fünf Jungs aus Merzig geben nämlich ab der ersten Sekunde alles. Da wird in den 45 Minuten, die sie spielen werden, auch schonmal zum Circle Pit aufgerufen, in dessen Mitte Sänger Henrik munter weitersingt. Die Stimmung ist für einen Support deutlich besser als gewohnt und zeigt das man auch mal ein bisschen was wagen kann, wenn es um das eigenen Vorprogramm geht.

Indecent Behavior

In der knapp 30 minütigen Umbaupause läuft nicht, wie sonst so oft, irgendwelche thematisch kaum passende Musik, sondern ein Programm welches direkt von SALTATIO MORTIS ausgesucht zu sein scheint. So läuft nicht nur der Gassenhauer Julia und die Räuber von Subway to Sally, sondern auch Klassiker wie Schrei nach Liebe und Hier kommt Alex. Es zeigt sich schnell wie wichtig diese Musikauswahl ist. So werden grade die beiden letztgenannten Songs so lautstark mitgesungen, dass sich die Stimmung, nur wenige Sekunden vor dem eigentlichen Beginn, schon auf dem Siedepunkt befindet. Als die Band dann die Bühne betritt gibt es kein Halten mehr. War zur Veröffentlichung der Opener 'Große Träume' noch heiß diskutiert, weil er sich sehr nach Deutschrock der Marke Die Toten Hosen anhört, scheint das hier niemanden zu stören. Und dafür gibt es ja auch gar keinen Grund, das Teil brettert richtig schön los und lässt sofort kein Bein mehr ruhig auf dem Boden stehen. Ohne Verschnaufpause geht es dann mit 'Dorn im Ohr' weiter, bei dem die Band klar macht, dass sie gesellschaftskritische und politische Botschaften verbreiten wollen und nicht nur Musik um des Spaßes willen machen. Drums, Bass und Gitarren scheppern wunderbar und bilden sofort einen hörbaren Unterschied zu einer Show der Band auf einem der Eingangs erwähnten Mittelaltermärkte.

Insgesamt ist der Einstieg extrem modern und es werden fast ausschließlich Lieder der letzten beiden Alben gespielt, welche eine deutliche Weiterentwicklung der Band aufzeigten. Bei 'Europa' werden in der Menge dann sogar Europafahnen mit dem Bandlogo geschwungen und nachdem man sich lautstark für das Konzept eines vereinigten Europas eingesetzt hat, wird direkt darauf unverblümt über den Rechtsruck der durch Deutschland geht gesungen und zwar in Form von 'Besorgter Bürger'. Kraftvolle Songs mit einer wichtigen Massage und dazu achte Spielleute auf der Bühne, welchen die Spielfreude aus jeder Pore zu triefen scheint. Besser geht es eigentlich kaum, vor allem darum, weil der Sound sich recht schnell auf ein sehr starkes Niveau einpegelt. Eine Sache die für das Capitol nicht immer selbstverständlich ist. Auch bühnentechnisch lässt man sich nicht Lumpen und hat schön viele Pyroeffekte mitgebracht, die auch regelmäßig gezündet werden und die vorderen Reihen noch mehr anheizen.

Saltatio Mortis

In der Mitte des regulären Teil des Sets gibt es dann mit 'Spur des Lebens' die Ballade des Abends und danach den Wechsel in die Vergangenheit. Zwar stammen auch 'Heimdall' und 'Drachentanz' vom aktuellen Album "Brot und Spiele", allerdings nicht von der Haupt CD, sondern der Bonus CD, welche voll ist mit typischen Klängen des Mittelalters. Auch die weiteren Lieder sind stilistisch und thematisch deutlich folkiger und die Dudelsäcke sind ab dann deutlich prägnanter zu hören. Wenn sich dann das gesammte Publikum an den Schultern anfassen soll, um während 'Mittelalter' durchgehend zusammen hochzuspringen, ist das nicht nur verdammt anstrengend für die Besucher, sondern auch ein riesiger Spaß für alle Beteiligten. Natürlich lässt es sich Sänger Alea auch nicht nehmen 'Rattenfänger' zu singen, während er einmal durch die komplette Menge getragen wird. So kommen auch die hinteren Reihen in Berührung mit der Band und einmal großen Respekt an Alea, dass er sowohl die Körperspannung so lange halten kann, als auch das er dabei fehlerfrei singt. Mit 'Sie Tanzt Allein' gibt es dann das letzte Stück vor der Zugabe und es stellt, ähnlich wie auf dem Album, einen sehr runden Schlusspunkt dar.

Natürlich nur für fünf Minuten, denn dann sind die Jungs auch schon wieder auf der Bühne. Mit 'Tritt Ein' gibt es nun einen Song vom 2005er Album "Des Königs Henker" und damit ist es das älteste Lied, welches an diesem Abend gespielt werden soll. Nach 'Nie Wieder Alkohol' welches von so manch durchzechter Nacht handelt und teilweise autobiografische Einflüss hat, gibt es mit 'Prometheus' nochmal eine Pyroshow die es in sich hat. Der Abschluss erfolgt, nach nun gut zwei Stunden, ganz klassisch mit dem 'Spielmannsschwur', welchen das Publikum ja eh schon vor dem Konzert lauthals gesungen hat.

Ein sehr modernes Set, welches satte 13 Lieder des aktuellen Albums enthält, und trotzdem genügend Mittelalteratmosphäre für die Fans. SALTATIO MORTIS liefern eine energiegeladene Show ab, an die sich ein so mancher Fan noch lange erinnern wird. Für mich persönlich war es einer der besten Auftritte, welchen ich je von den Jungs erleben durfte. Auf das nächste Mal kann man sich jetzt schon freuen und evtl. dann sogar einer Nummer größer als das Capitol? Das wird uns nur die Zukunft zeigen können.