(Rise Records/ BMG/ Warner)

Ein neues DAVE HAUSE-Album hören, ist ein bisschen wie nach Hause kommen.
Wie ich zu meiner Schande gestehen muss, hab ich DAVE HAUSE und seine ehemalige Band The Loved Ones erst 2015 so richtig wahrgenommen, als ich sie beim Groezrock sah. Und da war es mit der Band, die 2006 und 2008 zwei Alben via Fat Wreck Chords veröffentlicht hatte, auch schon seit ein paar Jahren vorbei. Obwohl sie sich nie offiziell aufgelöst hatte, gilt sie seit 2010 als inaktiv. Was die Show beim Groezrock nur noch besonderer machte. Jedenfalls war ich von Sekunde eins an ergriffen von dieser unbändigen Euphorie, die Frontmann DAVE HAUSE ausstrahlt und von der ich mich in den letzten vier Jahren noch oft überzeugen konnte. Damals gab es zwei Soloalben von ihm – "Resolutions" (2013) und "Devour" (2013) - beide sind seither ein fester Bestandteil meiner Plattensammlung und wurden 2017 von "Bury Me In Philly" und nun vom brandneuen Album "Kick" ergänzt.

Das übrigens so heißt, weil "kicking" das erste war, was seine, vor Kurzem geborenen Zwillinge taten. Auf "Kick" behandelt HAUSE, ähnlich wie schon auf dem Vorgängeralbum, die Zerrissenheit, die seine US-amerikanische Heimat seit der Wahl 2016 prägt.  Es ist zwar nicht mehr ganz so deutlich wie in 'Dirty Fucker', einem Song auf "Bury Me In Philly", der ganz klar an Präsident Trump gerichtet war, aber in Songs wie 'Eye Aye I''Saboteurs' oder 'Civil Lies' kann man HAUSE's Frustration sehr deutlich hören. 


Aber nicht nur Politik ist ein Thema der neuen Platte, es geht auch um so elementare Themen wie Hoffnung, Depression, die globale Klimaerwärmung und ums Älterwerden. Und alles verpackt in schöne Melodien, die immer den Gegenpol zu den ernsten Themen der Songs bilden. HAUSE selbst sagt: „"Kick" beschönigt weder persönliche Probleme, noch die globalen Herausforderungen, denen wir uns täglich stellen müssen. Der Kern der Platte ist eine lebhafte Menschlichkeit und eine Hoffnung, dass die Dinge besser werden, auch wenn es scheint, als spräche alles gegen uns. Verzweiflung kann auch tröstend sein, nämlich wenn man merkt, dass man nicht alleine ist. Und zusammen kann man darüber singen und es durchstehen. Wenn ich mir das Album anhöre, hoffe ich, dass es mehr Trost als Verzweiflung versprüht. Ich hoffe, wir haben die richtige Balance gefunden."
Mit "wir" meint DAVE HAUSE sich und seinen Bruder Tim, mit dem zusammen er das neue Album in zahllosen Face-Time Unterhaltungen, Sprachnachrichten und Telefonaten geschrieben hat. Entstanden ist ein abwechslungsreiches Album, das auch mal leisere Töne ('Fireflies', 'Bearing Down') anschlägt, aber ansonsten mit Uptempo und Faust-in-die-Luft Nummern wie 'Eye Aye I', 'The Ditch' oder dem großartigen 'Paradise' auf voller Länge überzeugt.

Dave_Hause_Photo_by_Kyle_London

Dave Hause Photo by Kyle London

Leider ist nach zehn Songs und einer guten halben Stunde Spielzeit schon wieder Schluß, aber das möge man HAUSE nachsehen, denn, dass er zwischen Vaterschaft und unermüdlichem Touren, überhaupt Zeit gefunden hat, neue Songs zu schreiben, ist schon erstaunlich. Wenn HAUSE mit seiner Mermaid, wie er seine Band liebevoll nennt, ab Ende des Monats wieder nach Deutschland auf Tour kommt, kann sich jeder selbst von der Euphorie und Hoffnung, die er besingt ein Bild machen. Es sei euch ans Herz gelegt. Ich jedenfalls habe schon seit Monaten ein Ticket und mit "Kick" nun auch ein neues Lieblingsalbum. Danke, DAVE!

Tour 2019:

27.04. Groezrock, Meerhout, Belgien
28.04. Hannover, Bei Chez Heinz
29.04. Heidelberg, Karltorbahnhof
30.04. Uncle M Fest, Münster
02.05. Hamburg, Uebel & Gefährlich
03.05. Berlin, Bi Nuu
04.05. Dresden, Beatpol
05.05. Wien, Porgy & Bess
07.05. München, Backstage
08.05. Stuttgart, Universum
09.05. Köln, Bürgerhaus Stollwerck
06.08. Nürnberg, Hirsch
09.08. Rocco del Schlacko, Püttlingen
10.08. Open Flair Festival, Eschwege

Album-VÖ: 12.04.2019