(Rude Records/ Soulfood)

Mit BARS OF GOLD haben sich Rude Records (in den Staaten Equal Vision Records) eine recht spannende Band an Land gezogen. Bestehend aus Menschen, die vorher bei den Experimental-Rockern Wildcatting und den Post-Hardcore-Tüftlern Bear Vs. Shark tätig waren und sich nun dem Post-Rock zuwenden, der mit Gesang auf eine ganz neue Ebene gehievt wird. Sechs Jahre nach dem Debüt "Wheels" gibt es nun also "Shelters" zu bestaunen. Mittlerweile wurde ein vierter (!) Gitarrist angeheuert, was dem Sound nochmals eine neue Dimension eröffnet.

Mit 'Worthless Chorus' beginnt es wie ein zukünftiger Helmet-Geniestreich, um recht bald die intensiven und tief tönenden Gesangslinien zum Zuge kommen zu lassen. Irgendwo zwischen Hardcore und Noise angelegt. Etwas vertrackt, aber nicht so dissonant, dass man nicht die Schönheit hinter den Gitarrenwänden entdecken könnte. 'Atlantic City' schliesst an den Opener an, baut sich aber ruhiger auf. Marc Paffin ist sicherlich kein begnadeter Sänger, aber die Art und Weise wie er intoniert, verursacht bisweilen Gänsehaut, weil man die Energie und Intensität quasi spürt. '$20' im Anschluss klingt dann wie The Hold Steady auf Jazz-Erlebnisreise - hier wird innerhalb zweieinhalb Minuten mehr abgeliefert, als es andere Bands bei zwei Alben kreativ hinbekommen. Die Singelauskopplung 'Sometimes' ist recht zugänglich, trotzdem atemlos und auf den Pfaden von z.B. … And You Will Know Us by the Trail of Dead, nur halt mehr im Underground verwurzelt. 'Beans' überrascht mit Spoken-Word-Parts, die optimal eingepflochten sind in den weitgreifenden Sound von BARS OF GOLD. dann knallt auf einmal 'Madonna' aus den Boxen und drückt dich gegen die Wand.

Die immense Kraft, die durch die Gitarren-"Wall-Of-Sound" aufgetürmt wird, lässt dich nicht mehr los, sobald du dich darauf eingelassen hast. Diese Sogwirkung empfindet man ja häufig bei instrumentalen Post-Rock-Alben, aber was BARS OF GOLD auf "Shelters" abliefern, habe ich lange Zeit nie so intensiv erfahren. Hier greift alles ineinander und baut sich mit einer Dynamik auf, die einen förmlich umbläst. Im Idealfall sollte man die Platte per Kopfhörer hören, um alle Nuancen und Details entsprechend würdigen zu können.

Mir bleibt nur zu sagen, dass BARS OF GOLD für mich die bisherige Überraschung des Jahres darstellen, weil ich einfach nicht damit gerechnet habe, dass mich "Shelters" so umhaut und auf eine Reise mitnimmt, die zwischen tonnenschweren Riffs und filigranen Ideen agiert und zudem so auf den Punkt gespielt ist, dass man ob der durchaus vorhandenden Eingängigkeit völlig geplättet vor seiner Anlage sitzt.

Album-VÖ: 12.04.2019