(Sony Music)

Wer hätte gedacht, dass ich mal kritisch über AMON AMARTH urteilen würde? Das neue Album "Berserker" steht auf dem Plan, und irgendwie möchte mich das nicht mit sich reißen. Sind die musikalischen Äxte und Schwerter der Schweden stumpf geworden mit der Zeit?
Bevor ihr jetzt weiterlest und denkt, der Redakteur hat keine Ahnung, wovon er spricht: natürlich ist auch "Berserker" ein überdurchschnittlich gutes Metalalbum geworden, und würden wir hier nicht über AMON AMARTH schreiben, wäre man auch mit ganz anderer Erwartungshaltung an die Sache heran gegangen. So merkt man ganz schnell: entweder, die Riff-Möglichkeiten im Viking Metal sind inzwischen aufgebraucht, oder die Speerspitze des Melodic Death Metals möchte sich ein wenig ausruhen und ein Album auf den Markt bringen, mit dem man niemanden nervös macht. Songs wie 'Fafner´s Gold' gehen gut nach vorne los und laden zum Kopfnicken ein, reichen aber nicht an die großen Hits der Band ran. Und genau das ist es, was mich an "Berserker" auch stört: es gibt hier keine großen Aufreger, alles ist auf Sicherheit getrimmt.

Wo sind also die Hymnen, zu denen ich, das Schwert in die Höhe gereckt, furchtlos in die Schlacht ziehen würde? Auf "Berserker" suche ich für meinen persönlichen Geschmack vergebens danach. Es wäre aber auch unfair, alles nur negativ darzustellen: der Sound der Scheibe ist bombastisch, und im Riffing-Bereich habe ich das Gefühl, dass es teilweise etwas moderner von statten geht als noch auf den vorherigen Alben. Möglicherweise ist genau dies die Baustelle, an der AMON AMARTH gerade arbeiten: moderner klingen, ohne sich selbst untreu zu werden. Kein einfaches Unterfangen, wie mir scheint, und da möchte ich ein Auge zudrücken (Odin kam ja auch mit einem zurecht) und baue fest darauf, dass das nächste Album mich wieder umpustet.

ALBUM-VÖ: 03.05.2019

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