(Big Scary Monsters)

Im vergangenen Jahr veröffentlichten THE GET UP KIDS mit der EP "Kicker" das erste Lebenszeichen seit sie acht Jahre zuvor ihre letzte und weitestgehend ungeliebte Platte "There Are Rules" herausgebracht hatten. Die vier großartigen Songs auf "Kicker" ließen hoffen, die Band könne an alte "Something To Write Home About"-Zeiten anknüpfen, vor allem die Uptempo Nummer 'I'm Sorry' erinnerte an die einstige Größe dieser Band, die bereits 1995 in Kansas City gegründet und in den 90ern zu einer der Vorzeige-Emo-Bands avancierte.

Auch das neue Album "Problems" enttäuscht nicht. Zum Glück. Der Opener und gleichzeitig erste Single 'Satellite' startet mit einem feinen Akustikarrangement und mit dem leisen Gesang von Matt Pryor, bevor das Schlagzeug einsetzt und der Song zu einer typischen GET UP KIDS Hymne wird. Pryor schrieb den Song für seinen 14-jährigen Sohn, der ziemlich introvertiert ist und gerne für sich selbst bleibt. "Aber irgendwann hab ich dann auch über mich selbst gesungen", so Pryor. "Und darüber, wie man ein Konzert vor hunderten Leuten spielen kann und trotzdem ängstlich ist und sich isoliert fühlt."

Das Video zu 'Satellite' gibt's hier:

Die Bandmitglieder sind erwachsen geworden. Und damit haben sich auch die Themen ihrer Songs verändert. Mit 41 schreibt man eben über andere Dinge als mit 19. Es geht also nicht mehr darum, die Freundin zu vermissen, sondern um die Probleme, die die einzelnen Bandmitglieder zum heutigen Zeitpunkt umtreiben. Da gibt es ein Lied über den Tod - in der Piano Ballade 'Your Ghost Is Gone' nimmt Keyboarder James Dewees Abschied von seiner kurz zuvor verstorbenen Mutter. Auf 'The Problem Is Me' (Video hier) erkundet Pryor seine eigenen romantischen Unzulänglichkeiten. Und in 'The Advocate' geht es um Eltern, die ihre Kinder vor den Gefahren der Welt beschützen wollen und es gleichzeitig nicht können.

Irgendwie vermisst man sie zwar schon ein bißchen, die alten Zeiten, aber mit 'Problems' wird man zumindest daran erinnert und das sehr positiv. Und schließlich hat man sich selbst ja in den letzten 20+ Jahren auch verändert, dann muss man das wohl seiner einstigen Lieblingsband auch zugestehen.

Wer sich, wie ich, nostalgisch fühlt, der kann THE GET UP KIDS Ende des Monats in Berlin und Köln live erleben:

22.05. Berlin, SO 36
23.05. Köln, Luxor

Album-VÖ: 10.05.2019

Die Rezension wurde von unserer Gast-Redakteurin Sylvie verfasst.