(AFM Records)

Im September 2017 erschien mit "Kill Your Demons" das letzte Studioalbum der EMIL BULLS und konnte bei mir doch glatt die Höchstwertung kassieren. Nun steht die nächste Veröffentlichung der Jungs direkt vor der Tür, allerdings ist es diesmal "nur" ein Coveralbum. Anstatt sich dabei thematisch festzulegen, greift man auf Lieder aus allen möglichen Genres und Epochen zurück.

Das 'Survivor', im Orginal von Destiny's Child, aus dem Jahr 2001 kommt, lässt einen doch direkt wieder ziemlich alt fühlen. Die Melodie war ja damals ein absoluter Ohrwurm, ob man das Lied nun mochte oder nicht. Nun unterlegt mit ordentlichen Riffs, macht es auf jeden Fall wieder sehr viel Spaß zu hören. Ein richtiger Klassiker aus den 80ern wird mit 'Tell It To My Heart' geboten. Die Danceparts werden dabei auf moderne Tanzmusik angepasst, aber nicht vernachlässigt. Natürlich auch hier garniert mit genügend Rockanteilen um zur Band zu passen. Mit 'Mr. Brightside' covert man dann zum ersten Mal einen Rocksong, auch wenn The Killers, mit ihrem Indierock natürlich deutlich softer unterwegs waren. Aber außer deutlich agressiveren Riffs, findet man sich doch erstaunlich nah am Orginal wieder. Wobei Christophs Stimme im Gegensatz zu Brandon Flowers, doch deutlich den Kürzeren zieht. Mit 'Grenade' von Bruno Mars geht man mir in meinen Augen leider auch ein bisschen zu langweilig um. Der Gesang bleibt relativ poppig und hätte ruhig agressiver gesetzt werden können und im Refrain ist der Mix so furchtbar, dass die Gitarren fast komplett untergehen. Schade, hier hat man echt viel Potential liegen lassen.

Aktueller ist man mit 'River' unterwegs, welches erst Ende 2017 erschienen ist. Sicherlich einer der interessantesten Coversongs, schon rein auf dem Papier, da die Vorlage ja ein Duett zwischen Eminem und Ed Sheeran ist. Der Rap-Part passt natürlich wie die Faust aufs Auge zu den EMIL BULLS und erfreulicherweise kommen Drumset und Gitarren deutlich besser und härter aus den Boxen, als bei den Songs davor. So ensteht ein recht schöner Konstrast zur Vorlage und dass macht die Sache doch gleich deutlich interessanter. 'Rebel Yell' ist nicht nur ein absoluter Klassiker der 80er, sondern wahrscheinlich auch das am meisten gecoverte Lied, welches es nun auch auf das "Mixtape" geschafft hat. Der Beat ist hierbei komplett abgeändert und durch das Fehlen des damals typischen Soundkonstrukts kommt das Lied, trotz härterer Instrumente, für mich deutlich langsamer und ruhiger daher, als es eigentlich der Fall sein sollte. Der Instrumentalpart prischt dafür gut nach vorne, aber irgendwie erreicht mich diese Version längst nicht so wie das Orginal.

Da finde ich 'Jesus He Know's Me' doch ansprechender, wenn man hierbei auch kaum Experimente wagt. Klar Gitarren drüber, Drums prägnanter, aber sonst nimmt es sich tatsächlich gar nicht so viel. Man merkt das ich mit moderner Pop-Musik nicht viel am Hut habe, denn 'You Should See Me In A Crown' von Billie Eilish sagt mir überhaupt gar nichts. Ihr Debütalbum erschien wohl auch erst dieses Jahr und damit handelt es sich hierbei um brandheißes Covermaterial. Also fix mal reingehört und mir wären fast die Ohren abgefallen, dass ist ja mal so gar nicht meine Musik. Wenn die Version der EMIL BULLS aber erst mal so richtig loslegt macht das schon Spaß. Vor allem da man auch Gesangstechnisch mal nen bisschen mehr aus sich heraus geht. 'Jungle Drum' war für mich immer so ein Fremdschäm-Hit, weil einfach irsinnig flach in Sachen Text und Melodie. In dieser Variante geht es aber gut nach vorne und macht irgendwie Spaß. 'The Hills' von The Weeknd? Muss ich nicht kennen, oder? Gut, denn ich kenne es auch nicht. Ist aber wohl ein R'n'B Künstler. Mag es nun daran liegen das mir hier der Bezug fehlt, aber auch das Cover haut mich nicht wirklich aus den Socken.

Photo by Holger Fichtner

'We Built This City' kenne ich hingegen schon, ist aber auch so eine Version, bei der man auf Nummer Sicher geht und im Vergleich zum Orginal fast gar nichts abändert. Macht dann halt auch Spaß, aber man gewinnt dem Ganzen nichts Neues ab. Das Pixies Cover 'Where Is My Mind?' hält sich mit metallischen Einflüssen sogar so weit zurück, dass sogar die Instrumente nicht agressiver gespielt werden, als man es gewohnt ist. Da kann ich auch eigentlich den Song von damals hören. Wie bei vielen Liedern auf dem "Mixtape" wünschte ich die Jungs wären ein bisschen mehr aus sich heraus gekommen, aber vielleicht war das einfach nicht das, was sie erreichen wollten. Fast genau so verhält sich das nämlich auch mit 'Every You Every Me', immerhin wird hinten raus mal kurz geshoutet. Zum Glück gibt es mit 'Kids' noch einen richtigen Knüller zum Abschied. Da es sich ja eigentlich um einen Elektrosong handelt, fallen die Instrumente hier deutlich mehr auf, vor allem wenn man aus dem Elektroniksolo ein Gitarrensolo macht.

EMIL BULLS haben sich da wirklich ein paar schöne Stücke zum Covern rausgesucht. Dabei versuchte man aber nicht immer den Liedern einen eigenen Stempel aufzudrücken. Oft befindet man sich nämlich sehr nah an der Vorlage. Ich persönlich hätte es da besser gefunden, wenn man sich ein paar mehr Freiheiten gegönnt hätte. Außerdem ist der Mix nicht immer gelungen und teilweise versumpfen dann komplette Instrumentalparts im Nirgendwo. Durch die Songauswahl aber die perfekte Soundkulisse für die nächste Party. Für das reine Hören zwischendurch leider für mich eine Nummer zu lasch und uninspiriert. Da sind dann Cover CDs wie Hartgeld im Club von Callejon, wo Hip Hop teilweise krass in Metal umgewandelt wird, für mich doch deutlich interessanter.

Das Album erscheint übrigens auch in einer Fan Box, bei dem ein Karaokemikrofon als Bonus beiliegt und tatsächlich sind diese Versionen für die nächste Karaokeparty doch ziemlich interessant. Ich weiß leider nicht ob mit dem Mic auch Karaokeversionen der Songs daher kommen, aber wünschenswert wäre es irgendwie schon.

Album-VÖ: 24.05.2019