(Nuclear Blast/Arising Empire)

Schwedens heißester Rock Export meldet sich zurück. Mit "Club Majesty" legen ROYAL REPUBLIC ihr viertes Album vor und zum Glück musste man, nach dem 2016er Album "Weekend Man", nicht wieder fast 4 Jahre auf neues Material warten. Man hat sich nämlich 2018 viel Zeit genommen und das Album über das ganze Jahr hinweg erarbeitet. Im Vorfeld kündigten die Jungs schon an, diesmal wird alles etwas anders. So nennen sie den Stil, welchen sie auf "Club Majesty" spielen, Disco-Rock. Aber schon bei der Tracklist sieht man, dass auch manches sich nicht geändert hat. So findet man hier 11 Songs und von denen geht die Häfte unter drei Minuten. Die Formel die Lieder kurz und knackig zu halten, wird also auch hier wieder verfolgt.

Es dauert keine zehn Sekunden und man hört den Discoeinfluss bei 'Fireman & Dancer' sofort raus. Ein extrem lässiger Beat wird aufgelegt, ein Saxofon ertönt (nach einem Monat Training direkt von Sänger Adam Grahn eingespielt) und die Riffs gehen mehr auf 70er Jahre Stil, als man es für möglich gehalten hätte. Im Gesang erinnert es dabei oft an The Killers oder auch die modernen Enter Shikari. 'Can't Fight the Disco' kommt sogar noch eine ganze Nummer chilliger daher, motiviert aber enorm dazu das Tanzbein zu schwingen. Wie schön sich dieses Discofeeling in den klassischen ROYAL REPUBLIC Sound einfügt ist eine gelungene Überraschung. Man macht bei 'Boomerang' zwar genau dasselbe, aber durch die Kürze der Lieder wird es einfach nicht langweilig. Die Texte sind dabei thematisch wie gewohnt, also recht schlüprig und die Beziehung zwischen Mann und Frau steht im Fokus. Perfekt wird das bei 'Under Cover' aufgezeigt, welches eigentlich als Jingle für einen Kondomhersteller angefragt worden ist. Ein sehr zweideutiger Text, coole Riffs und glatt ein bisschen rockiger als die bisherigen Stücke auf dem Album.

'Like A Lover' startet sehr ruhig und ist mit fast vier Minuten das längste Lied. Man lässt die Discoelemente hier auch draußen und bietet hier ein bisschen so etwas wie langsame 80er Jahre Rockmusik. Eine schöne Abwechslung, die ich hier so nicht erwartet habe. Aber keine Angst 'Blunt Force Trauma' geht wieder voll in Richtung Tanzmusik und wer es immer noch nicht verstanden hat: Nein, der typisch rockige Stil der Band geht dabei in keinster Weise verloren. Rockige, aber sehr tanzbare Partymucke und als Partyband verstehen sich die Jungs ja eh seit dem ersten Tag. Meinen Ohren wollte ich bei 'Fortune Favors' ja kaum glauben, Adam singt hier recht tief und rauchig, also komplett anders als man es eigentlich gewohnt ist. Hier wagt man das vielleicht bisher größte Experiment der Bandgeschichte, weil dazu auch eine gehörige Menge an elektronischen Tönen dazu kommt. Aber was soll ich sagen? Definitiv eines der besten Lieder welches ROYAL REPUBLIC je aufgenommen haben und auch der selbstironische Text weiß zu gefallen. Hört es euch einfach an, es lohnt sich.

Wenn sich ein Stück schon 'Flower Power Madness' nennt, dann weiß man das Disco auch heutzutage noch nicht tot ist. Ich hätte es vielleicht eher vor 'Fortune Favors' gepackt, da es so ein bisschen untergeht. Grade weil sich 'Stop Movin'' direkt im Anschluss wieder mehr wagt. Wähnt man sich erst noch in einem Daft Punk Song, geht es schnell volle Kanne vorraus. Der tolle Mix vieler verschiedener Stile und der sehr einfache Text, sorgen wirklich dafür, dass man hier kaum stillhalten kann. Mit 'Anna-Leigh' wartet nun ein weiterer Oberknüller, spendiert man uns damit doch den vor Kitsch triefesten 80er Jahre Rock den man sich vorstellen kann. Das ist ganz großes Kino und das Musikvideo dazu fängt die Atmosphäre ziemlich gut ein. Und was meinte ich anfangs nochmal wegen schlüpfriger Texte? Na dann sprecht den Songnamen mal laut aus und ihr wisst worum es gehen könnte. 'Bulldog' ist für mich eigentlich gar nicht das letzte Stück, sondern schon eher eine Zugabe. Hört es sich doch eins zu eins so an, als ob es vom Debütalbum "We Are The Royal" stammen könnte. Wieder einmal sitze ich mehr als überrascht mit meinen Kopfhörern hier rum. Tatsächlich hätte ich mir aber keinen besseren Abschluss vorstellen können.

Einfach nur wow! "Save the Nation" hat mich 2012 nach dem großartigen Debütwerk etwas enttäuscht zurück gelassen. "Weekend Man" war dann schon deutlich experimentierfreudiger, aber viele Lieder gingen mir einfach nicht in den Kopf, trotzdem war es eine deutliche Verbesserung. Mit "Club Majesty" bricht man das ganze Konzpet nun noch mehr auf, nicht nur die Discoelemente passen hier wie Arsch auf Eimer, nein so abwechslungsreich haben die Jungs sich auch noch nie angehört. Und das alles bei nur knapp über 30 Minuten Spielzeit. Wenn ich daran denke, dass es sich hierbei eigentlich viel mehr um eine Live Band handelt, will ich gar nicht wissen wie die Stimmung im Winter auf der Headlinertour explodieren wird. Vor allem da man nun Sporthallen als Ort ausgewählt hat und dabei habe ich die Jungs 2009 noch für 8€ im kleinen Kellerschuppen gesehen. Sicher die Texte sind flach, viele Elemente wiederholen sich innerhalb der Songs, aber manchmal darf man Musik auch nur hören um mal so richtig abzufeiern und dafür legen ROYAL REPUBLIC hier den perfekten Soundtrack vor.

Anspieltipps: 'Fortune Favors', 'Anna-Leigh'

Album-VÖ: 31.05.2019