(Out Of Line Music)

Was war der Aufschrei nach dem 2016er Werk "This Is Where Death Begins" groß. COMBICHRIST haben ihren Industrial-Style komplett verloren und spielen nun zahnlosen Metal, so hieß es. Die Vorfreude auf ein neues Album war bei den Fans also gar nicht so hoch. Und genau diesen Fans widme ich meinen ersten Absatz. Hört euch auf jeden Fall "One Fire" an, es ist sicherlich wieder eine Weiterentwicklung, aber die Jungs besinnen sich definitiv auch mehr auf ihre Wurzeln. Also bittet nicht ohne es zu hören sofort abschreiben, denn eure elektronische Tanzmusik findet sich hier tatsächlich wieder.

Nach dem 'Intro' geht es mit 'Hate Like Me' erst richtig los, es erklingt sofort ein elektronischer Beat, aber sonst ist es auch sehr modern metallisch. Das heißt der Gesang geht oft in eine Metalcorerichtung, wechselt sich aber mit typischen Dark Rock Stellen ab. Es ist also eine Mischung des Metals des letzten Albums und dem Industrial, welches die Fans so vermisst haben. Ein recht gelungener Versuch beide Lager zu befriedigen. Bei 'Broken United' sind die Drums deutlich zu lasch abgemischt, aber trotzdem ist es eher ein agressives Stück Metal, trotz dem kurzen EBM Ausflug gegen Ende. 'Guns At Last Dawn' lässt es ordentlich knallen und vermixt erfolgreich, Elektronik, Rap und Metal. Für mich ein echter Hit, der mit knapp drei Minuten schön kurzweilig ist. Und nun hörgehört Freunde der elektronischen Tanzmusik, denn 'Lobotomy' ist genau für euch gemacht. Keine Instrumente vernehmbar, sondern komplett elektronisch dürfte es genau das sein, was die Meisten auf dem letzten Album vermisst haben. Tanzbare Musik für die schwarze Szene, die Jungs können sie halt doch noch schreiben.

'One Fire' bietet dann wieder ein paar mehr Elemente aus der Rockmusik, kann bei mir aber nicht wirklich zünden. Der Fokus liegt hier aber auch eher auf dem Industrialteil. Mit 'Bottle Of Pain' wird es nun richtig wild, Orchesterklänge kommen aus den Boxen und es kommt eine Ballade. Richtig gehört, eine Ballade von COMBICHRIST! Das hört sich sehr ungewohnt an, da hier jede Art von Elektronik und Rock fehlt. Das Orchester sorgt eher dafür, dass man denkt grade einen Soundtrack zu hören. Allerdings hat diese Mischung etwas an sich und ist für mich eine sehr positive Überraschung. In '2045' erzählt eine Durchsager wie die Welt in 100 Jahren aussehen könnte und das die Menscheit dabei ist ihre Freiheit zu verlieren. Dazu gibt es Growls, wieder etwas lasch klingenden Drums und sonst wenig Überrschungen. 'Interlude' ist kein schlichtes instrumentales Zwischenspiel, sondern eher eine Art kurzer Countrysong. Hört sich jetzt vielleicht komisch an, aber es ist wirklich so. Die Mischung die COMBICHRIST auf "One Fire" raushauen ist schon ziemlich besonders.

'Understand' ist dagegen fast schon ein klassisches Stück Industrialmusik. Damit sei nochmal klar gestellt, ja der Weg zurück zur Elektronik wurde defintiv gefunden und eingeschlagen. 'California Über Alles' ist natürlich ein Coversong des Dead Kennedys Klassikers und hört sich dem Orginal sehr nah an. Die Idee hier hinter dürfte sein, dass Jerry Brown von 2011 bis 2019 erneut Gouverneur von Kalifornien gewesen ist und damit das Lied wieder brandaktuell geworden ist. 'The Last Day Under The Sun' wird die Körper in der schwarzen Szene Disco wieder deutlich zum Schwitzen bringen, ist mit über sechs Minuten aber auch sehr lang ausgefallen. 'The Other' ist dann ein sehr ruhiges Lied und erinnert ein bisschen an Depeche Mode.

COMBICHRIST scheinen sich die Kritik der Fans zu Herzen genommen haben und wenden sich wieder deutlich mehr ihrem Ursprung zu. Das heißt aber auch, dass die Fans, welche mit "This Is Where Death Begins" zur Band gefunden haben, sich erst darauf einstellen müssen. So gibt es vor allem zu Anfang noch viele Metalsongs, aber hinten raus fehlen diese auf "One Fire" komplett. Stattdessen springt man wie gesagt wild umher. Das hat für mich aber zur Folge, dass das Album nie komplett rund wirkt. Es gibt zwar viel Abwechslung, aber die Räder greifen nicht ganz so gut ineinander. Auf jeden Fall sollte man in der richtigen Stimmung sein um die knapp 52 Minuten genießen zu können.

Album-VÖ: 07.06.2019