(East Beach Records and Tapes-Thirty Tigers/Alive)

Nachdem CHRIS SHIFLETT bei No Use For A Name ausgestiegen ist, um bei den Foo Fighters als Leadgitarrist Weltkarriere zu machen, sind jahrestechnisch mittlerweile auch schon zwei Dekaden ins Land gezogen. Herr SHIFLETT ist dem Punkrock aber immer treu geblieben - als Mitglied der All-Star-Coverband Me First & The Gimme Gimmes. Da ihn das anscheinend nicht auslastet und er weitere Interessen verfolgt, war es quasi unumgänglich, dass er auch solo aktiv wird (wie auch schon mit den von ihm initiierten Projekten Viva Death, Jackson United und CHRIS SHIFLETT & The Dead Peasants) und hier seine Liebe zur Country-Musik auslebt. "Hard Lessons" ist das vierte Studioalbum und wartet mit elf Songs auf. Die Produktion wurde von Dave Cobb übernommen, der schon Stars der Szene wie Sturgill Simpson, Shooter Jennings oder Chris Stapelton einen erdigen Sound verpasste. Soweit die Grundinfos mit dem dezenten Hinweis, dass man natürlich dem Album lauschen darf, aber keine Erwartungshaltung haben sollte, dass CHRIS SHIFLETT den harten Rocker raushängen lässt. Die Platte wurde in Kooperation mit Studiomusikern höchsten Ranges eingespielt, was man auch ab dem ersten Ton hört.

'Liar's Word' ist ein schunkeliger Einstieg, der positiv aufgeladen wirkt und zum mitklatschen animiert - sehr einfach konstruiert, zeigt aber eine positive Wirkung beim Hörer. 'This Ol' World' im Anschluss fährt die komplette Instrumentierung auf und ist der Beweis, dass Mr. SHIFLETT nicht komplett aus seiner Haut kann. Feiner Country-Rock, der niemanden weh tut und durchaus in Spezial-Sendungen im Radio laufen könnte. Auch der nachfolgende Song 'Welcome To Your First Heartache' entscheidet sich für die Ausrichtung Rock - hier mit leichtem Pop-Appeal und eingängigen Chorus, wie es ein Rea Garvey nicht schöner hinzaubern würde (kann man ironisch verstehen oder ernst lesen - ist euch überlassen!).

Elizabeth Cook macht 'The One You Go Home To' zu einem wunderbaren Duett in bester Country-Manier - Slidegitarren, die den sehr persönlichen Song über die volle Distanz tragen, tun ihr Übriges. Auch Blues-Rocker der Marke 'I Thought You'd Never Leave' haben natürlich ihre Daseinsberechtigung und werden von CHRIS SHIFLETT mit der nötigen Inbrunst zum Besten gegeben.

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Chris Shiflett Photo by JODY DOMINGUE

Das Angenehme an "Hard Lessons" ist, dass die Tracks kurz und knackig gehalten werden und sich nicht mit überflüssigen Ausschweifungen oder langweiligen Wiederholungen aufhalten. Die Songs sind kompakt und machen Spass, sofern man dem Genre Country etwas abgewinnen kann - CHRIS SHIFLETT hat zum Glück die reduzierte und zurückhaltende Art gewählt, seinen Background in Nuancen einfliessen zu lassen. Somit stehen die Stücke für sich und können wirken, ohne dass man ständig den Stadion-Rock-Typen vor dem inneren Auge hat.

Album-VÖ: 14.06.2019