(Earmusic/ Edel)

Der Terminus "Supergroup" ist ja wahrlich keine Sensation mehr - auch wenn es weiterhin erstaunlich ist, wie das Phänomen immer neue Bands ausspuckt, die aus mehr oder minder bekannten Persönlichkeiten des meist "harten" Genres besteht. HOLLYWOOD VAMPIRES fallen bekanntlich in diese Kategorie - immerhin sind "Stars" wie Alice Cooper, Joe Perry (Aerosmith) oder Schauspieler Johnny Depp an Bord und präsentieren ihren Status Quo im Hinblick auf Hardrock in all seinen Facetten. Gerne werden bei den seltenen Touren (kein Wunder bei den Terminkalendern) namhafte Musiker engagiert (Menschen von z.B. Stone Temple Pilots oder Guns 'n Roses) , die das Line-Up live komplettieren. HOLLYWOOD VAMPIRES veröffentlichen dieser Tage ihr zweites Album seit Bandgründung 2015. Dieses hört auf den Namen "Rise", beinhaltet 16 Tracks (davon 4 sog. "Interludes"/Spoken Word = überflüssig), eine überraschungsarme Coverversion ('Heroes' von David Bowie) und als Gaststars Jeff Beck (The Yardbirds) und Roger Waters (Pink Floyd). Soweit die Grunddaten.

Man könnte also meinen, dass nicht allzu viel schief gehen könnte bei der geballten Kompetenz, die sich hier die Klinke in die Hand gibt. 'I Want My Now' will's gleich richtig wissen und benötigt über sieben (7!) Minuten, um einen soliden Hardrocker abzuliefern, der sich an den 70ern orientiert und ordentlich Piano-Geklimper beinhaltet. Die Stimme von Alice Cooper thront natürlich über allem und beweist, dass er auch mit 71 Jahren nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Vielleicht ist der Song zweieinhalb Minuten zu lang geraten, aber als Einstieg aller Ehren wert. Nach einem kleinen Hörspiel geht es mit 'Who's Laughing Now' weiter - okayer Midtempo-Song, der einen eingängigen Refrain hat und mit der (vermuteten) Singstimme von Joe Perry irgendwie einen The Doors-Vibe erhält. 'Welcome To Bushwackers' ist die Kollabo, bei der Herr Beck und Herr Waters mitwirken - entstanden ist ein toller Blues-Rocker, der das erste wirkliche Highlight auf der Platte ist.

Beispiele für gelungene Songs: 'You Can't Put Your Arms Around A Memory' (nette Powerballade) und 'New Threat' (nicht besonders spektakulär, aber durchaus Potential). Der Rest vom Schützenfest ist fast nicht hörbar ('Congratulations'), verliert sich in bierseliger Schunkelei ('We Gotta Rise') oder ist schlichtweg egal ('Mr. Spider', 'Git From Round Me'). Es macht sich auf lange Sicht Enttäuschung breit, die vergleichbar ist mit dem Desaster "Chinese Democracy", dem Comeback der damaligen Rumpftruppe Guns 'n Roses. Die Erwartungshaltung ist einfach zu groß, um im Ansatz zufriedenstellend befriedigt zu werden - allerdings ist "Rise" dem selbstbetitelten Debüt auch um Längen unterlegen.

Hollywood_Vampires_Photo_credit_by_Ross_Halfin

Hollywood Vampires Photo credit by Ross Halfin

Der Vorfreude auf ein Hardrock-Highlight folgt die deprimierende Ernüchterung. Denn "Rise" kann nur (kurz)streckenweise überzeugen und verlässt sich zu sehr auf die Namen des Line-Ups und die Nachbearbeitung des Produktionsteams. Teilweise wirkt das Ganze soweit draußen, dass man Bezugspunkte intensiv suchen muss - wenn man sie findet, passiert dies nur zufällig und man hat als Hörer kaum Lust, sich in die Musik "fallen zu lassen". HOLLYWOOD VAMPIRES ist als Spaßprojekt von nicht ausgelasteten Künstlern vielleicht nett, gibt dem Fan aber keinen Mehrwert mit auf den Weg.

Album-VÖ: 21.06.2019