(Big Scary Monsters/Alive/The Orchard)

Cover-Alben sind ja so eine Sache für sich. Auf jede gelungene Coverplatte kommen schließlich zehn verhunzte. "Shuffle" von JAMIE LENMAN reiht sich glücklicherweise bei den gelungenen ein und das liegt vor allem daran, dass der Musiker das Konzept des Cover-Albums ohne stilistische Fesseln im Kopf angegangen ist. So finden sich nicht nur Songs aus sämtlichen Genres, sondern auch Fernsehthemen, Bücher oder Games.

Wie schon bei "Devolver" arbeitete Jamie mit dem Produzent Space (Idles, Black Futures) zusammen, der ihm dabei half, seine äußerst ehrgeizige künstlerische Vision für "Shuffle" zu verwirklichen. Dabei beweist der Ex-Reuben-Frontmann Jamie Lenman, ein weiteres Mal, dass er sich weder auf einen Sound noch einen Stil festnageln lassen will. Freunde des Schubladendenkens werden also auch mit "Shuffle" ihre Schwierigkeiten haben. Was man dem Album allerdings in keinster Weise absprechen darf, ist sein Ideenreichtum und seine musikalische Vielfalt. Natürlich wird niemand alle 14 Stücke des Albums lieben, aber es würde mich doch sehr wundern, wenn nicht für jeden Geschmack der ein oder andere Lieblingstrack dabei abfallen würde.

Der Opener 'Tomorrow Never Knows' deutet bereits den zu erwartenden wilden Genreritt an. Dagegen wirkt das äußerst gelungene 'Killer'-Cover fast schon konventionell:

"Obwohl ich "Killer von Seal damals mit acht Jahren geliebt habe, war es tatsächlich das letzte Stück, das ich für das Cover-Album in Betracht zog. Alle anderen Stücke auf "Shuffle" schwirrten schon seit ein paar Jahren in meinem Kopf, doch dann haben wir "Killer" mal bei einer Probe getestet und wussten sofort, dass es auch auf das Album gehört. Ich weiß, dass viele andere Künstler den Song auch gecovert haben - wer kann ihnen das schon verübeln -doch ich habe tatsächlich nicht eine dieser Versionen gehört. Das hier ist also meine ganz eigene Interpretation und ich hoffe, sie gefällt euch." gibt LENMAN preis.

Anschließend wird es dann deutlich ausgefallener und LENMAN gibt sich völlig der Experimentierfreude hin, welche ihren ersten Höhepunkt mit dem brachialen Cover des Popeye-Themas erreicht:

Bei 'You're The Boss' wird dann auch einfach mal ein Text rezitiert, mit 'Adamantium Rage' findet sich das Instrumental eines Game-Klassikers und 'The Pequod Meets The Delight' entstammt aus Moby Dick. Neben all den abgefahrenen Momenten beweist LENMAN mit den eher klassischen Coverversionen das er ein sensationeller Musiker ist. So gelingt es ihm stets allen Nummern seine eigene Note zu verleihen und selbst so totgenudelten Nummern wie Cindy Laupers 'She Bop' neue Vitalität einzuhauchen:

Das "Shuffle" zu einem Herzensprojekt wurde, verdeutlicht LENMAN nochmal selbst: "Für mich ist mit diesem Album ein Traum in Erfüllung gegangen - totale kreative Freiheit, eine Chance, mich in furchterregende neue Territorien zu drängen. Es besteht aus so vielen verschiedenen Teile, dass ich immer noch nicht glauben kann, dass wir es tatsächlich geschafft haben, all das in einem in sich schlüssigen Album zu versammeln." Dem kann man nur erstaunt zustimmen, denn trotz seiner Kraut-und-Rüben-Taktik, macht dieses Album so viel Spaß wie man es eigentlich nicht erwartet.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Killer'

Album-VÖ: 05.07.2019