(A Wolf At Your Door/ Rough Trade)

Ein zünftiges Instrumental-Intro namens 'Deathbed' läutet das neue ACRES-Album "Lonely World" ein. Zwischen "Stranger Things"-Melodie und "James Bond"-Bombast macht der Opener Lust auf mehr, wobei man noch nicht ahnen kann, was einen erwartet, sofern man ACRES erst jetzt kennenlernt.

'Medicine' macht dann deutlicher, wohin die Reise gehen wird. Große Melodie-Bögen, die genug Härte aufweisen, um ihren Platz im Post-Hardcore zu rechtfertigen - sich allerdings nicht scheuen, poppige Elemente einzubauen (v.a. im Refrain), die einem Mainstream-Sound zwar nahe kommen, aber mit cleveren Dynamiken aufwarten und so dem möglichen "Ausverkauf"-Rufen entgegenwirken.

'Be Alone' und der Titeltrack im direkten Anschluß bestätigen den Ersteindruck, da hier strukturell ähnlich verfahren wird. Funeral For A Friend zu Stadion-Rock-Zeiten kommen mir in den Sinn. Kurz bevor man denken könnte, dass die melancholische Stimmung überhand nehmen konnte, reisst einen 'Hurt' aus der beginnenden Bequemlichkeit und zeigt mit mutigen Shouts, dass halt nicht nur auf Nummer Sicher gegangen wird.

Beim Titel 'Lullaby' kann man bereits erahnen, dass es wohl ein ruhiger Song im Gesamtkontext wird - und so isses auch. Tut nicht weh, hätte es aber auch nicht dringend gebraucht. Dann lieber straight rausgefeuerte Post-Hardcore-Hits wie 'Talking In Your Sleep' oder 'You Are Not', die mit großer Geste und Eingängkeit punkten, wobei sich weiterhin die innovativen Ideen verstecken. Auch die letzten beiden Tracks 'Sharpen Your Teeth' und 'Skin Over Mine' wagen keine Überraschungen. 

"Lonely World" macht schon eine zeitlang Laune und hat durchaus seine Berechtigung, allerdings fallen mir keine Begründungen ein, die ACRES eine außergewöhnliche Leistung attestieren. Dafür ähneln sich die Songs zu sehr. ACRES haben ein solides Rock-Album abgeliefert, welches seine Anhänger finden wird und das ein oder andere Mal wird die Scheibe sicherlich auch bei mir im Auto laufen.

Aufgrund einzelner Finessen, die man nach mehrmaligen Hören herausfiltert, liegt die Bewertung knapp über dem Durchschnitt. 🙂

Album-VÖ: 09.08.2019