Nach einer Headlinertour zum aktuellen Album "Ex_Machina" Ende vergangenen Jahres, befinden sich CROSSFAITH aktuell auf Festival-Tour in Europa. Wie man es gewohnt ist, versucht man dann ab und zu ein paar Headlinershows zu spielen. So geschehen am Montag den 05.08.2019 im Kellerclub Bei Chez Heinz in Hannover. Für mich auch endlich die Möglichkeit die Jungs direkt mal vor der Haustür zu erleben und nicht erst durch das halbe Land fahren zu müssen. Als Support hatten sich außerdem die Alternative Rocker von BREATHE ATLANTIS angekündigt.

Laut der Bedienung am Biertresen, bot sich schon früh ein ungewohntes Bild für das Bei Chez Heinz, denn bereits um 18 Uhr, und damit eine Stunde vor Einlass, bildete sich eine ansehnliche Schlange vor dem Club. Auch kurz nach 19 Uhr war diese noch nicht abgebaut und so ging es langsam, aber stetig die Treppenstufen hinab. Ein kurzer Blick auf das Merch geworfen und schon wurde einem doch sehr warm. Die Luft stand schon im Keller und es war unangenehm stickig, obwohl noch gar keine Band gespielt hatte. Dafür war der Raum aber schon sehr gut gefüllt. Bei einem Montagskonzert in Hannover kann man sich ja nie so sicher sein, aber erfreulicherweise hatten sich an diesem Abend sehr viele Menschen hier eingefunden. Also sofort wieder nach oben an die frische Luft und auf den Beginn warten.

Relativ pünktlich gegen 20 Uhr legten die Essener Jungs von BREATHE ATLANTIS dann auch los. Hannoverraner Publikum, nur Support und eine Bullenhitze, tja da kann man sicher nicht viel erwarten. Denkste! Die Band gibt ab Lied Eins richtig Gas und weiß damit auch die Menge mitzuziehen. Hier wird nicht nur mitgeklatscht, nein auch zum Springen kann man die Leute motivieren. Das Set geht gut 40 Minuten und die Luft wird dabei immer heißer. Der Spaßfaktor ist bei beiden Parteien aber so groß, dass dies kaum ins Gewicht fällt. Ein wirklich dicker Anheizer von einer sehr starken Liveband.

Danach strömt man wieder nach draußen um sich abzukühlen und die Sauerstoffreserven nochmal aufzufüllen. Aber wie man es von CROSSFAITH nicht anders kennt wird in der Umbauphase ein gut 20 minütiges Technoset gestartet, welches die Menge langsam auf die Show vorbereiten soll. Dies führt dazu, dass die meisten Menschen deutlich vor Beginn schon wieder in den Keller strömen. Um kurz nach 21 Uhr geht es dann auch wirklich los. Die japanischen Energiebündel betreten zu den Tönen von 'Deus Ex Machina' die Bühne und haben als ersten Song direkt auch 'Catastrophe' parat. Der Ton ist dabei passend abgemischt, welches bei dieser Band schon immer sehr wichtig ist, da sowohl die Instrumente, als auch die elektronsichen Klänge gut zur Geltung kommen müssen. Das Publikum kennt auch direkt kein Halten mehr, vor allem als Sänger Ken direkt den ersten Circlepit fordert. Für den Fall, dass dies nicht geklappt hätte legt man einfach den Gassenhauer 'Monolith' nach, ohne Frage einer der größten Hits, welchen CROSSFAITH je geschrieben haben. Die Temperatur dürfte sich nun irgendwo bei jenseits 40 Grad eingepegelt haben. Hier brennt nicht nur die Bühne, der Moshpit, sondern auch wirklich die Haut, während man im eigenen Schweiß so langsam durchgekocht wird.

Mit 'The Perfect Nightmare' folgt dann auch direkt der wohl agressivste und härteste Song. Der Moshpit ist nun sprichwörtlich am Brennen. Das Ken erst jetzt seine Lederjacke ablegt ist bei den Temperaturen wirklich sehr beachtlich. So wird sich die Band auch noch während der Show eine ganz kurze Pause gönnen. Hits wie 'Jägerbomb' und das Prodigy Cover 'Omen' dürfen inzwischen ja bei keiner Show mehr fehlen. Und auch das Drum Solo gehört inzwischen zum Standardprogramm. Im Vergleich zur Platte fällt aber immer mehr auf, dass bei Live Konzerten sehr viel mehr Wert auf den elektronischen Part gelegt wird. Hier werde mal fix Stellen neu gemixt und durchaus mal Technobeats prägnant in den Vordergrund geschoben. Eine sehr schöne Sache, welche CROSSFAITH durchaus von der Masse der Corebands abhebt.

Mit 'Photosphere' und 'Leviathan' hat dann sogar insgesamt vier Lieder der 2012er EP "Zion" gespielt. So gab es eine durchaus gute Mischung quer durch die Bandgeschichte, bei der nur die ersten zwei Debütalben ignoriert worden sind. Im letzten Jahr erzählte mir aber Sänger Ken im Itnerview, dass es daran liegen würde, dass die meisten Fans diese beiden Alben nicht kennen würden, da der Durchbruch im Westen erst danach kam. Als Zugabe hatte man sich den Song 'Countdown to Hell' aufgehoben. Zumindest von der Temperatur kam Bei Chez Heinz dabei sicherlich der Hölle gleich.

Nach gut 75 Minuten war die Show dann vorrüber. Eine wirklich positive Überraschung, gingen die zwei Konzerte in Dortmund und Hamburg, welche ich letztes Jahr besucht hatte, doch nur jeweils gut 60 Minuten. Und tatsächlich war es dann auch gar nicht so schlimm aus dem Keller heraus zu können, nachdem die Kleidung, vollgesogen von Schweiß, an den Körpern der Menschen klebte. Wer sich dann wieder etwas abgeküllt und etwas getrunken hatte, konnte sich daraufhin natürlich noch Autogramme holen oder auch ein paar Fotos mit den Jungs machen.

Für mich war es eine der besten CROSSFAITH Shows die ich bisher erleben durfte. Eine gute Länge und eine zufriedenstellende Setlist. Aber irgendwie würde man es den Mannen doch gönnen, wenn sie langsam größere Clubs füllen könnten. Sie hätten es definitiv verdient und die großen Bühnenshows die sie in der Heimat abliefern, würde man doch zu gerne mal live erleben, anstatt diese nur auf Blu-Ray nachholen zu können. Aber auch so eine kleine Show hat natürlich eine ganz besondere Atmosphäre. Und so lange sie überhaupt den Weg von Japan nach Deutschland antreten, werde ich zufrieden sein.