(Amigo Records/Rough Trade/GoodToGo)

Das Punkrock-Trio aus der zweiten Reihe schickt sich an ihr verflixtes siebtes Studioalbum zu veröffentlichen. Antrieb für "Hier Und Heute Nicht" war eine Nahtod-Erfahrung, welche die Band schneller arbeiten ließ als je zuvor. Inhaltlich bleibt jedoch alles beim Alten. Eingängiger Deutschpunk ohne Ecken und Kanten.

Die letzte Nummer auf "Hier Und Heute Nicht" fasst die Karriere von MONTREAL sehr treffend und schmissig zusammen:

Wenn man sich die illustre Gästeliste des Tracks anschaut (Sondaschule, Madsen, Donots, Itchy, Das Pack und Farin Urlaub), dann realisiert man das MONTREAL zu den absoluten Sympathiebolzen des heimischen Musikbusiness zählen. Wenn man dann aber merkt, dass der einzige Halbsatz der Platte, welchen Farin Urlaub beisteuert, der lustigste Moment auf "Hier Und Heute Nicht" ist, dann wird einem aber auch klar, dass man selbst auf Album Nummer sieben der großen Hauptreferenz aus Berlin immer noch abgeschlagen hinterherhechelt. Bei aller Eingängigkeit, Sympathie und über 700 gespielten Konzerten, erschaffen MONTREAL auf ihren Longplayern einfach zu wenige Momente, die haften bleiben. Dabei ist es schon wirklich erstaunlich wie viele Lieder man ohne Botschaft oder wirkliches Thema schreiben kann. Und auch Wortwitze oder seien es nur popkulturelle Anspielungen, bleiben eher die Ausnahme (Eine der Ausnahmen: 'Schon wieder zweiter Februar').

Dabei ließ die erste die erste Auskopplung der Platte, 'Dreieck und Auge', zunächst aufhorchen. In Ansätzen politisch, gesellschaftskritisch und auch wirklich witzig. Und das bei einer Spielzeit von unter zwei Minuten:

"Das war das erste Lied, das fürs neue Album geschrieben wurde, es ist der Opener der Platte und war beim Proben zuerst halbwegs erkennbar. Nie ist uns die Entscheidung bei der ersten Auskopplung so leichtgefallen! Während andere Kapellen bei Minute 01:45 mit Hängen und Würgen die Mitte des ersten Refrains erreicht haben, laben wir uns da schon verrichteter Dinge am kalten Buffet, und haben trotzdem alles schon gesagt - oder zumindest wieder mal gekonnt so getan" so die Band zur Single.

Kommen wir aber nochmals auf die Nahtod-Erfahrung aus der Einleitung zu sprechen, welche auch ihre Entsprechung im Cover des Albums gefunden hat. Ende 2018 saß die Band in einem Straßencafé in Amsterdam, als plötzlich ein wuchtiger Terracotta-Blumenkübel neben ihnen durch die Markise schlug und einen Stuhl direkt neben Bassist Hirsch komplett zerstörte. Wäre der Kübel nur wenige Zentimeter weiter zur Seite eingeschlagen, wäre es das gewesen. Mit Ausnahme des Titeltracks spielt das Erlebte jedoch absolut keine Rolle auf dem Album. Und wie gesagt, eigentlich bleibt hier alles beim Alten. Und da die Band im stärksten Song der Platte selber so schön Bilanz zieht („Wir haben in 15 Jahren sechs Alben rausgebracht drei davon sind gut, die anderen so naja“) kann man dieses Urteil eigentlich auch auf "Hier Und Heute Nicht" ummünzen. Die Hälfte der Songs ist gut, die anderen so naja.

Im Grunde genommen spielt das jedoch auch keine Rolle, denn die unbestreitbare Stärke von MONTREAL liegt nämlich nicht im Studio, sondern auf der Live-Bühne. Somit ist es kein Wunder, das einige Konzerte der kommenden Tour bereits ausverkauft sind. Wer die Band auf der aktuellen Tour also live erleben möchte, der sollte nicht zu lange mit dem Ticketkauf zögern:

MONTREAL - "Hier und heute nicht" Tour 2019/2020

25.10. Wiesbaden, Schlachthof (ausverkauft)
26.10. Stuttgart, ClubCann (ausverkauft)
08.11. Hannover, Capitol
09.11. Bremen, Schlachthof
22.11. Leipzig, Conne Island
23.11. Nürnberg, Z-Bau (ausverkauft)
20.12. Berlin, Festsaal Kreuzberg
21.12. Hamburg, Markthalle
22.12. Hamburg, Markthalle
27.12. Papenburg, Alter Güterbahnhof
29.12. Magdeburg, Factory
10.01. Osnabrück, Lagerhalle
11.01. Düsseldorf, Zakk

Der Song für die Playlist/das Mixtape: '15 Jahre für die Punchline'

Album-VÖ: 16.08.2019