(Sony Music)

Man muss das Rad nicht zwingend neu erfinden als Band, erst recht nicht, wenn man in gewisser Weise maßgeblich an der Formgebung der aktuellen und seit langer Zeit bewährten Form beteiligt gewesen ist. Warum also sollten KILLSWITCH ENGAGE auch nur einen kleinen Deut an ihrem Musikstil ändern?!? Die Antwort ist denkbar einfach: weil man sonst immer und immer wieder Alben veröffentlicht, die keine bis wenig Entwicklung zeigen, und so läuft man Gefahr, dass es keinen zwingenden Grund gibt, das neue Album zu hören, zu kaufen oder zu feiern. An genau diesem Punkt befinden sich KILLSWITCH ENGAGE seit geraumer Zeit, und abgesehen von der schier ewig andauernden „Jesse oder Howard“-Debatte gab es kaum etwas, worüber es sich bei der Band in letzter Zeit zu sprechen gelohnt hätte.
Neues Album, neues Glück? Der Opener 'Unleashed' macht eigentlich genau da weiter, wo die Band aufgehört hat, nämlich inzwischen schon fast „traditioneller“ Newschool Melodic Metalcore. Obligatorisch kommen Screams und Growls vom Gesang, die dann zu wunderhübschen Cleanpassagen aufgehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dass das obendrein noch eine Spur besser geht, zeigt 'The Signal Fire', wo man sich als Gastsänger Howard Jones (LIGHT THE TORCH, Ex-KILLSWITCH ENGAGE) ins Boot geholt hat. Tolle Idee (nicht)! Gießt einfach noch mehr Öl ins Signalfeuer, im direkten Vergleich werden die jeweiligen Stärken und Schwächen noch deutlicher, und verdammt noch eins ja, Jesse hat die aggressivere Schreistimme, aber dafür haut ihn Howard in den Cleanpassagen einfach um (meine ganz persönliche Meinung, die jeder natürlich gerne genau andersrum oder völlig anders sehen kann).
Kurz darauf gibt es mit 'The Crownless King' gleich noch den zweiten Gastsängerauftritt, diesmal Chuck Billy von TESTAMENT. Aggressiv, logischer Weise einen Hauch thrashiger als die anderen Nummern, und gekonnt durch Chuck Billys monströses Organ unterstützt, knallt die Nummer ordentlich.


Aber auch, wenn andere Nummern insgesamt etwas seichter daher kommen, so knallen auch die, wie man es von der Band gewohnt ist. Und genau darin liegt das Problem, das klingt alles gewohnt. War ich bisher immer der Meinung, dass ALL THAT REMAINS es gut verstehen, sich Ideen von KILLSWITCH ENGAGE zu verinnerlichen und zu eigenen Songs umzustricken, so habe ich diesmal genau umgekehrt das Gefühl, dass Adam Dutkiewicz und Co. nicht so recht wussten, wohin die Reise gehen soll, und deswegen ein wenig ALL THAT REMAINS zur Inspiration gehört haben…
"ATONEMENT" ist genau das KILLSWITCH ENGAGE Album, das ich erwartet habe. Ich höre es gerne, aber es bleibt nicht so wirklich viel im Kopf hängen. Und in ein paar Wochen, wenn das Neue von der Scheibe abgeebbt sein wird, werde ich dann irgendwann, wenn mir der Sinn nach KILLSWITCH ENGAGE steht, doch wieder zu "The End Of All Heartache", "As Daylight Dies" oder ggf. auch "Alive Or Just Breathing" greifen, denn da sind aus meiner Sicht ganz klar mehr Hits am Stück produziert worden, völlig ungeachtet der Frage, welcher Frontmann da am Mikrofon stand!

Album-VÖ: 16.08.2019

Photo courtesy of SONY MUSIC