(Big Rig Records)

Dass ich das noch erleben darf! AVOID ONE THING kommen nach 15 Jahren Funkstille plötzlich und relativ unerwartet mit ihrem dritten Album aus der Deckung. "Right Here Where You Left Me" ist somit der Überraschungscoup des Jahres für alle Fans des erwachsenen Punkrock. Frontmann und Mastermind Joe Gittleman sollte in Szenekreisen hinlänglich bekannt sein, hat er doch mit seinem Bassspiel und Kompositionsbeteiligungen nicht unerheblich am Erfolg solcher Legenden wie Gang Green und v.a. Mighty Mighty Bosstones beigetragen. AVOID ONE THING wurden in der Vergangenheit lediglich als Nebenprojekt wahrgenommen, konnten mit ihren bisherigen Platten "S/T" und "Chopstick Bridge" aber großartige Songs vorweisen. Insbesondere der Track 'Lean On Sheena' ist ein kleiner Gassenhauer geworden, nachdem ihn The Bouncing Souls auf ihrem Album "The Gold Record" fast 1:1 gecovert haben (das Original bleibt dennoch unerreicht).

Mit dem Titeltrack startet "Right Here Where You Left Me" in wunderbaren zurückhaltenden Midtempo und erinnert zu Beginn etwas an die letzten Veröffentlichungen von The Loved Ones. Der Songaufbau ist typisch (Strophe, Refrain, Strophe, Bridge, Refrain), aber so verdammt eingängig und aufgrund der unverwechselbaren Stimme von Mr. Gittleman geradezu euphorisch gestaltet, dass es nichts daran auszusetzen gibt. Dass kritische Untertöne in meiner Rezension eher rar gesät sein werden, liegt im Übrigen auch daran, dass ich Fan bin und hier mal nicht neutral agieren kann, weil ich geflasht bin, dass es überhaupt neue Musik von AVOID ONE THING zu erleben gibt. 🙂

'Crashing Kites' ist im Grunde ein Bosstones-Tune ohne Bläsersektion, während das nachfolgende 'Disassembly Line' in schönen Heartland-Gefilden unterwegs ist. 'All Same To Me' hat ein recht einfaches Grundgerüst, an dem sich der Song langhangelt, um sich mit der Zeit (und mehrfachen Hördurchläufen) unwiderbringlich im Ohr festzusetzen. Manchmal tönt ein gewisser Social Distortion-Sound durch ('Enemy', 'Solitary Man'), der aber kompakter und interessanter präsentiert wird, als alles was Mike Ness & Co. die vergangenen Jahre veröffentlicht haben.

Obwohl die Herren von AVOID ONE THING mittlerweile auch ein gesetzteres Alter erreicht haben, klingen sie frisch, kreativ und voller Spielfreude. Dass sie der Welt nichts mehr beweisen müssen, ist ihnen ebenso klar - deshalb können sie auch frei handeln. Songs wie das ruhige, aber intensive 'Shutting Down The Radar' fügen sich in das Gesamtbild perfekt ein und lassen anschließende Rocker wie 'Better Left Alone' noch mehr strahlen. Mit dem typischen Boston-Schunkler 'Where We End Our Days' schließt das Album und rundet die Platte formvollendet ab.

Es gibt an "Right Here Where You Left Me" keinerlei negative Kritik, weil AVOID ONE THING ein tolles Album abgeliefert haben, welches Emotionen, Herzblut und eingängige Kompositionen parat hält und bestens unterhält. Manchmal ist weniger Mehr und deswegen ist "erwachsener Punkrock" (vgl. Armchair Martian, Arliss Nancy) zwar unspektakulär, aber immer notwendig. <3

Album-VÖ: 13.09.2019