(Elektra/ Warner)

Der mehrfach ausgezeichnete (u.a. Grammy) Country/Folk-Sänger STURGILL SIMPSON erlangte vor einigen Jahren die vermehrte und verdiente Aufmerksamkeit, weil er auf seinem Album "A Sailor's Guide To Earth" eine unfassbar schöne und emotionale Coverversion des Nirvana-Hits 'In Bloom' präsentiert hat (mittlerweile mehr als 5,4 Mio. Klicks bei z.B. Youtube). Nun hat er seine vierte Platte im Gepäck und verfolgt mit diesem ein bestimmtes Konzept, welches auch die gleichzeitige Veröffentlichung eines Anime-Films bei Netflix beinhaltet. Alle Songs auf "Sound & Fury" werden in dem japanischen Manga in verschiedenen Segmenten zu hören sein - somit ist das Album ebenso ein wunderbarer Soundtrack geworden. Der gleichnamige Film wird ab dem 27.09. als Stream zur Verfügung stehen.

'Ronin' läutet die Platte ein und ist ein atmosphärisch-dichtes Instrumental, was durch eine fiebrige E-Gitarre dominiert wird und den perfekten Einstieg bietet. 'Remember To Breathe' lässt dann die eindringliche Stimme von STURGILL SIMPSON erstmalig erklingen und man fühlt sich sogleich gefangen. Mit 70er-Americana-Einschlag wird experimentiert, die Gitarre sägt nach der zweiten Strophe dazwischen und lässt den staubtrockenen Song fast ein bisschen eskalieren. Im Anschluss verwirrt der elektronische Beat von 'Sing Along' etwas, wird aber wiederum rechtzeitig vom Gesang aufgefangen. Der Sound erinnert etwas an Captain Future, während Mr. SIMPSON in bester The Black Keys-Manier abliefert. Schräge Nummer, die aber im Ohr haften bleibt.

Übergangslos geht es mit 'A Good Look' weiter. An das Gegniedel der Elekrischen hat man sich mittlerweile gewöhnt, plötzlich ist da der Bruch in Richtung 80er-Jahre-Pop, der einem George Michael alle Ehre gemacht hätte. Absolut neben der Spur und deswegen so genial. 🙂

Während 'Make Art Not Friends' ein zurückhaltender Schunkler ist, der wieder mit musikalischen Elementen der 80er spielt, wildert das nachfolgende 'Best Clockmaker On Mars' umso mehr im modernen Garagen-Indie-Rock. 'All Said And Done' ist vielleicht der typischste STURGILL SIMPSON-Track auf "Sound & Fury", da er sich hier fast nur auf seine Stimme verlässt und minimalst instrumentiert. 'Last Man Standing' wiederum hat den erdigen Rock 'n Roll zu bieten, der im Film evtl. eine actionlastige Szenerie untermalt. Wenn man den Gedanken an einen Soundtrack noch nicht außer acht gelassen hat und die Dynamik und den Aufbau des Album folgt, wird das erlösende und locker-poppige 'Mercury In Retrograde' nicht weiter überraschen. Was aber bemerkenswert ist, ist der Umstand, dass es STURGILL SIMPSON immer schafft eine Lockerheit zu generieren, dass die vielen Stilwechsel als Abwechslungsreichtum und Kreativität interpretiert werden und sich der rote Faden von ganz alleine erschliesst. Den Abschluß bildet 'The Fastest Horse In Town' mit knapp über sieben Minuten, in denen nochmal ordentlich Krach geschlagen wird, sich die Instrumente überlappen und eine Geräuschkulisse kreiert wir, die mit ihren Rückkopplungen und dem "weißen Rauschen" das runde Ende einer außerordentlich spannenden Platte bedeutet.

"Sound & Fury" zeigt perfekt die Ideenvielfalt und das außergewöhnliche Talent von STURGILL SIMPSON - in Verbindung mit der konzeptionellen Prämisse ist ein wunderbares Werk entstanden, welches vielleicht nicht zwingend beim ersten Hördurchgang zündet, aber immer weiter wächst, bis man sich schlussendlich verliebt hat.

Album-VÖ: 27.09.2019