(Isotopia / H'art)

Aus dem New Yorker Schmelztiegel (wie es in den 70ern so schön hieß) entstammt die Band MISS VELVET & THE BLUE WOLF, die funkigen Indierock oder doch Funk-Rock mit Indie-Elementen (?) zocken. Wie das klingt, kann man seit ca. zwei Monaten mithilfe des Albums "Feed The Wolf" nachhören. Als Gaststar, der sich tatkräftig an der Verwirklichung der Platte beteiligte, ist niemand Geringeres als George Clinton, der "Godfather of P-Funk" und Mitbegründer solcher Referenzen wie Parliament und Funkadelic.

Leider haben wir es versäumt, der Platte zum Veröffentlichungszeitpunkt Platz und Zeit einzuräumen, deswegen gibt es unsere Meinung knapp neun Wochen später. Aber nur weil das Album nicht mehr ganz aktuell ist, ist es trotzdem frisch und kann dem einzughaltenden Spätherbst die Stirn bieten.

Wenn Ihr Euch zuerst das unten verlinkte Video zum Song 'Phat Blunt' anschaut, bekommt Ihr einen guten Eindruck was eine Party "Feed The Wolf" sein kann. Eine dicke Produktion, die aber die Feinheiten gut herausarbeitet und den Songs den notwendigen Raum gibt, sich zu entfalten. So entstehen smoothe Rocksongs, die mit einem mächtigen Funk-Feuerwerk verfeinert werden und ordentlich abliefern. Mit der Beteiligung der lebenden Legende Mr. Clinton gibt es natürlich massiv Bonus und MISS VELVET und er ergänzen sich teilweise phänomenal.

MISS VELVET hat eine kraftvolle, teils derbe Stimme (sogenannte "Rockröhre"), die eine Power generiert, dass man sich mitgerissen fühlt - auch wenn man der Stilrichtung eher weniger zugetan ist. Mein subjektiver Eindruck mal hintenan gestellt, ist "Feed The Wolf" eine amtliche Ansage, die mir persönlich aufgrund der fehlenden Eingängigkeit etwas schwerfällt komplett durchzuhören. Tracks wie 'Nasty Freak' oder 'Bitch Honey' laufen gut rein und sind im Gesamtkontext Bausteine, die aus einer "normalen" Funk-Scheibe ein Ereignis machen können.

Wie gesagt: Man muss das Genre mögen und auch mit dem Bandnamen Mother's Finest etwas anzufangen wissen, dann funktioniert "Feed The Wolf" am ganzer Linie. Für die "mal-eben-Reinschnuppern-Hörer" könnte die geballte Ladung Funk/Rock etwas zuviel des Guten sein...aber warum sich nicht mal auf etwas Neues/ Ungewohntes einlassen? Die Bewertung richtet sich nach persönlichen Befinden, ist real aber durchaus höher einzuordnen.

Album-VÖ: 23.08.2019