(The Orchard)

Nachdem das Kölner Indie/Rock-Duo Sohnemann 2016 mit ihrer ersten EP „Goldenes Schweigen" mehr als nur Achtungserfolge verbuchen konnte (u.a. Auftritte bei c/o pop, Support für OK KID oder RAZZ), wurde es erst mal still um Manuel Binder (Gesang, Gitarre) und Niklas Genschel (Schlagzeug, Keys, Gesang) – denn die beiden wurden vom absoluten Klassiker der Fragen heimgesucht, die junge Musiker schon seit eh und je zermürbt: Wohin soll die Reise gehen?

Den Ausweg aus dem kreativen Loch markierte in diesem Herbst direkt ein EP-Doppelschlag. Mit dem Abstand von nur einer Woche veröffentlichte die junge Band die Eps "Hallo Angst" und "Langsam Ist König". Dabei machte man sich die eigene Gefühlslage zu nutze und befasste sich thematisch mit Themen wie Angst, Ungewissheit, Isolation und Entfremdung. War ich nach dem ersten Hörducrhgang noch geneigt, das EP Projekt als etwas mutlos abzuspeichern, merkte ich bereits beim zweiten Durchlauf, dass ich der Band damit nicht gerecht werden würde. Vor allem einer Band die den Mut aufbringt sich zu öffnen, zu scheitern, weiterzugehen und sich vor allem auch weiterzuentwickeln.

Das die Songs schließlich wahre Grower geworden sind, dürfte auch an der illustren Produzentenriege liegen, die man hier versammelt hat. Für die vier „Hallo Angst"-Tracks konnte man die Produzenten Jochen Naaf (u.a. Bosse, Giant Rooks), David Maria Trapp (u.a. EMMA6), Fabian Langer (u.a. AnnenMayKantereit, Neufundland) und Sven Ludwig (u.a. OK KID, Xavi) gewinnen. An den Querverweisen lässt sich bereits ablesen, dass man es hier mit dem Who-is-Who des gehobenen deutschen Indierock zu tun hat. Somit sticht nicht nur die ungewöhnlich fette und bis ins letzte Detail ausgewogene Produktion, sondern auch die Vielfalt der Tracks sucht ihresgleichen. 'Hallo Angst' liefert treibenden Indierock der so oder in ähnlicher Weise auch von Genregrößen wie KETTCAR hätte kommen können:

Die hypnotische Gitarrenmelodie in 'Kapitulation' nimmt einen sofort gefangen. Das poppig angehauchte 'Ich Mag Dich' vereint einleitende treibende Gitarren, in einer instrumentalen zweiten Songhälfte, mit schwermütiger Melancholie. Absoluter Anspieltipp. Und auch das abschließende 'Dürfen Wir Das' spielt in einer Liga mit gehypten Bands wie Neufundland oder OK KID.

Stellte die erste EP noch die sprichwörtlich schwere Geburt dar, so ist 'Langsam Ist König' ein Ausdruck der wiedergefunden Leichtigkeit. So entstand die zweite EP in nur wenigen Tagen nach einer spontanen Studio-Session. Proberaum statt Studio. Unmittelbarer Sound statt lang geplanter Produktion. Man ließ sich zwar auch hier von einem erfahrenen Produzenten (Dennis Jüngel (Oracles, Lingby)) unter die Arme greifen, dennoch klingt es hier nach DIY.

Unterm Strich beweisen SOHNEMANN dass sie ein sehr gutes Songwriting-Talent inne haben, welches sich auch in verschiedensten Herangehensweisen Bahn brechen kann.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Ich mag dich'

EP-VÖ:
Hallo Angst (10.10.19)
Langsam ist König (17.10.19)

Sohnemann - Live 2019

08.11. Rostock, MAU Club (mit OK KID)
09.11. Kiel, Pumpe (mit OK KID)
10.11. Dresden, Alter Schlachthof (mit OK KID)
11.11. Dortmund, FZW (mit OK KID)