(JKP/Warner)

Der DIE TOTEN HOSEN-Overkill nimmt kein Ende. Nach dem letztjährigen "Laune Der Natur", welches teilweise überraschend gelungen war (v.a. die Bonus-CD mit den gecoverten Punk-Klassikern), folgt im diesem Jahr die komplette Übersättigung. Erst das Live-Album "Zuhause Live: Das Laune der Natour-Finale", dann die BluRay/DVD-Veröffentlichung von "Weil Du Nur Einmal Lebst - Die Toten Hosen Auf Tour" und nun die unverstärkte Alternative namens "Alles Ohne Strom", wobei erst die akustische Version auf den Markt gekommen ist - die wesentlich spannendere Version dürfte allerdings die visuelle Umsetzung sein, die aber erst am 22.11. (pünktlich zur Vor-Weihnachtszeit) herauskommt. Vollbedienung für den Die-Hard-Fan würde ich sagen.

Der rebellische Verwaltungsfachangestellte greift vermutlich am ehesten zur vorliegenden Scheibe, da die lauten Töne minimiert worden sind und die Schunkel-Rocksongs so am Besten wirken. DIE TOTEN HOSEN sind musikalisch seit einigen Jahren/Jahrzehnten weit entfernt von Punkrock, das Einzige was weiterhin konsequent von den Männern um Frontmann Campino unterstützt wird, ist der Kampf gegen Rassisten, Faschisten und Nazistrukturen. Sie reissen das Maul auf und gehen dahin wo es weh tut - hier ist der Gedanke fest im Punk verankert - sie nutzen ihre Popularität, um auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen.

Nun also zur vorliegenden Platte, die ich gar nicht so explizit besprechen möchte, da ich beim Hören teilweise richtiggehend Gänsehaut bekommen habe - und zwar nicht, weil sich wohlige Gefühle einstellten. Dass sogenannte "Unplugged"-Konzerte spannend sein können, beweisen die guten alten Alben, die zum gleichnamigen MTV-Konzept erschienen sind: Nirvana, Alice In Chains, R.E.M., Eric Clapton, Die Ärzte. Hier wurde was Besonderes erschaffen. DIE TOTEN HOSEN scheitern (zumindest akustisch) daran, neue Ideen so einzubringen, dass es aufregend sein kann. Klar, es werden Streicher eingesetzt, Hits werden umarrangiert ('Hier kommt Alex' als Western-Country/Boss Hoss-Variante = schlecht!), es gibt neue Songs, wie das unsägliche 'Feiern Im Regen' (siehe Video-Link) oder es werden überraschende Coversongs zum Besten gegeben: 'Ohne Dich' von Rammstein - überflüssig, aber geschenkt. Was mich richtig auf die Palme bringt, ist die unverschämte und verdammt schlechte Interpretation des Foo Fighters-Klassikers 'Everlong' - was zur Hölle? Einen perfekten Rocksong so runterzuwirtschaften, muss man erstmal schaffen.

Wegen der Reputation und weil mich 'Ein Kleines Bisschen Horrorschau', 'Auf Dem Kreuzzug Ins Glück' und mit Abstrichen 'Kauf MICH' einen Teil meiner Jugend begleitet hat, fällt die Bewertung noch okay aus. Selbst für die erwähnten Die-Hard-Fans, ist "Alles Ohne Strom" eine Belastungsprobe. Die Platte ist der Beweis dafür, dass man nicht alle Ideen auf Tonträger bannen muss. Eine begleitende Tour wird es 2020 natürlich auch wieder geben - und das Live-Erlebnis fällt womöglich positiver aus - deswegen würde ich empfehlen zu warten, bis die visuelle Umsetzung auf den Markt gebracht wird.

Album-VÖ: 25.10.2019