(Big Scary Monsters/Alive/The Orchard)

Nach der Veröffentlichung von "Plastic Cough" im Jahr 2017 waren Great Grandpa unzertrennlich. Gemeinsam leben, arbeiten, touren – erst zum Ende der Tour verteilte sich die Band über die gesamte USA. Die Arbeit an "Four Of Arrows" war nun eine andere. Getrennt und in Isolation voneinander, konnte die Band ganz neue Kreativpotentiale auslösen. Getrennt voneinander geschrieben, wurden die Songs bei der Wiedervereinigung der Band zum Leben erweckt, als die Aufnahmen am Neujahrestag 2019 mit Produzent Mike Vernon Davis (Modest Mouse, Portugal. The Man) begonnen haben. Und wenn die ersten Durchläufe der neuen Scheibe hinter sich hat, so muss sagen, alles richtig gemacht.

Elf Songs versammelt die Band auf "Four of Arrows" und klingt dort deutlich reifer und erwachsener als es noch auf "Plastic Cough" der Fall war. Sicherlich ein Ausdruck des neuen Schreib- und Aufnahmeprozesses. Durch das vermehrte Solo-Songwriting neigt die Band nun deutlich weniger zu ausschweifenden Garagen-Jams, treibt die Songs zielgerichtet voran, behält es sich aber vor ganze Wagenladungen an Instrumenten in einen Track einfließen zu lassen. Dazu wirkt die Stimme von Frontfrau Alex Mennes an manchen Stellen des Albums zerbrechlicher als je zuvor ('Dark Green Water'). Der Keytrack des Albums stellt sich für mich mit 'Digger' dar. Hier kann man am ehesten nachvollziehen, weshalb die Band sich mit dem neuen Album in den Bereich der Kritikerhöchstwertungen begibt. 'Digger' paart melancholisches mit elektrischen Gitarren, beheimatet eine Klaviermelodie zum Dahinschmelzen und schlägt dann nochmal einen unerwarteten Haken zur akustischen Klampfe. Ganz starke Nummer.

In der gleichen Liga spielt auch die Vorab-Nummer 'Mono No Aware'. Der ausschweifende Track erinnert an stark an The Postal Service und schließt somit die immer noch klaffende Lücke, welche Ben Gibbard und Jimmy Tamborello, im Indietronic Bereich hinterlassen haben.

Die Tracks im Mittelteil des Albums fallen kürzer aus, zeigen aber ganz unterschiedlich Facetten der Band. Das reicht vom instrumentalen Klavierstück ('Ending') bis zum stampfenden Indierocker ('Treat Jar'). Mit 'Split Up The Kids' und 'Mostly Here' gönnt sich die Band zum Ende des Albums noch zwei ausschweifende Tragic-Rock Songs, welche im Albumkontext ganz wunderbar funktionieren, den Fans der ersten Stunde allerdings eine gewandelte Band präsentiert. Und genau das triftt auch als Fazit auf "Four Arrows" zu. Lässt man sich jedoch auf den in großen Teilen neuen Sound der Band ein, wird man mit einem der spannendsten Alben 2019 belohnt.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Digger'

Album-VÖ: 25.10.2019