(Century Media/ Sony Music)

MIt ihrem vierten Studioalbum "Vulture Culture" läuten die schwedischen BOMBUS den Winter ein. Die Heavy-Rocker haben ja bereits bei ihren vorherigen Werken wie "The Poet And The Parrot" und "Repeat Until Death" bewiesen, was für ein dichtes Netz aus Riffing, eingängigen Melodien, hymnischen Refrains und Energie gesponnen werden kann. Verfängt man sich einmal in der Welt von BOMBUS, kann man dieser auch nicht sofort entfliehen, sondern gerät in einen Sog, der mitreisst. Beschäftigt man sich noch intensiver mit der Musik der fünf Männer, erkennt man die großartigen Facetten und feinen Nuancen, die die Kompositionen preisgeben. Das Ganze wird hinter einem wahrhaftigen Monolith versteckt, der mit jedem Ton seine Geheimnisse lüftet und Songs präsentiert, die einer Vielzahl von Genre-Liebhabern gefallen dürfte, weil purer Metal mit Stoner gekreuzt, dazu eine Prise Punk/Hardcore-Roots gereicht wird und abgeschmeckt mit Elementen aus Sludge und Hardrock. Typisch skandinavisch könnte man vermuten - BOMBUS schaffen das Kunststück, dass die Tracks leicht-luftig und mit einer atmosphärisch-drückenden Produktion versehen, verdammt hitverdächtig aus den Boxen knallen.

Der Opener 'A Ladder - Not A Shovel' gibt innerhalb seiner Spielzeit von etwas über sechs MInuten schon einmal alles. Ein Intro-mäßiger Beginn, der teils mit Twin-Gitarren eine Struktur formt, die man entdecken möchte. Wenn dann der Gesang einsetzt, beeindruckt dieses Konstrukt mit Sekunde zu Sekunde mehr, weil es einfach erstaunlich ist, wieviele Ideen man in einem Song unterbringen kann, ohne dass dieser ein übersättigendes Gefühl auslöst. Die Kreativ-Köpfe hinter den Songs haben ihre teils wahnwitzigen Gedanken umgewandelt in ein akustisches Feuerwerk, dem man staunend zuhört.

Dann folgt auch schon der erste "Hit". '(You Are All Just) Human Beings' beginnt mit einem wunderbaren Riff, welches sich durch den gesamten Song zieht und sich im Mittelteil zu einem fantastischen Solo hochschraubt. Ein bisschen musste ich an Alexisonfire denken, aber BOMBUS stehen mittlerweile für sich. Referenzielle Vergleiche sind bei dem Quintett nicht nötig, da sie ihren eigenen Sound entwickelt haben.

'It's All Over' z.b. nimmt enorm Tempo raus, kann mit seiner Sludge-Langsamkeit aber mehr Energie freisetzen als manch andere Band, die vielleicht die besseren Verkaufs- und Streamingzahlen hat. BOMBUS ist einer dieser Kapellen, auf die man hingewiesen werden muss, um dann selbst zu entschlüsseln, was das Mysterium hinter der Band. Ist aber erstmal der Punkt erreicht, dass man BOMBUS "kapiert" hat, ist es um einen geschehen. Jedes Lied klingt anders, aber jeder Track klingt nach BOMBUS. Noch ein Beispiel wäre der Titeltrack, der wie eine Variete-Nummer anfängt, um dann Richtung Heavy-Metal-Eskalation abzubiegen. So zieht sich das wie ein roter Faden durch das Album - jederzeit kann die nächste Überraschung auf einen warten und man nimmt diese Umwege gerne in Kauf als Hörer, da dadurch eine Kurzweiligkeit und Spannung generiert wird, dass es eine wahre Freude ist.

Wenn ihr gerne Baroness, Mammoth Mammoth, Red Fang oder The Sword hört, lasst es darauf ankommen und gebt BOMBUS eine Chance. Aber Vorsicht: Danach seid ihr vermutlich ein BOMBUS-Junkie, der den gesamten Backkatalog aufkaufen will/wird. Gibt schlechtere Süchte. 🙂

Album-VÖ: 15.11.2019