(Run For Cover/ Cargo)

Wenn jemand zwei Alben innerhalb eines Jahres veröffentlicht, ist derjenige entweder größenwahnsinnig oder hat so viele Ideen zu verarbeiten, dass es einfach raus muss, um den kreativen Fluß am Laufen zu halten. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass sicherlich einiges an Songstrukturen und -entwürfen verworfen wurden, muss man beeindruckt den Hut ziehen und den kreativen Großangriff am Besten nur noch geniessen. Erschaffen wurden die vorliegenden Songs von YOUNG GUV alias Ben Cook, seines Zeichens Gitarrist der Hardcore/Post-Punk-Truppe Fucked Up und Sänger von No Warning. Mit seinen selbstbetitelten Alben grast er den Kosmos des leicht-luftigen Indie-Rocks ab und überzeugt mit einem grandiosen Händchen für sommerliche Hits, die gerade im Spätherbst/Winter gebraucht werden. Hier also das zweite Album "Young Guv II" ("Young Guv I" ist Anfang August erschienen und konnte da bereits mit seinen darauf enthaltenden 8 Songs begeistern):

Und die weiteren neun Kompositionen auf "Young Guv II" schliessen sich an das sommerliche Gefühl der Vorgängerplatte nahtlos an. Schon der Starter 'She's A Fantasy' überzeugt mit entspannten Indie-Gitarren-Melodien und einer positiv besetzten Grundstimmung. Ben Cook schafft es nostalgische Gefühle und Erinnerungen entstehen zu lassen an eine Zeit, als Bands der Marke Teenage Fanclub oder Belle And Sebastian das Indie-Universum bestimmt haben. Mit seinem Händchen für eine immense Eingängigkeit ist YOUNG GUV manchmal fast schon ein bisschen über die Cheesy-Grenze, bekommt aufgrund der Qualität der Songs aber immer wieder die Kurve.

Bei Tracks wie 'Try Not To Hang On So Hard' oder 'Caught Lookin'' findet Herr Cook das richtige Mittelmaß zwischen schrammeligen The Lemonheads und neueren Bands wie MGMT. Das entspannt vor sich hin groovende 'Forgot To Feel' hätte auch einem George Michael gut zu Gesicht gestanden. Der rote Faden ist die vertonte Positivität - nicht jeder Track kickt sofort, aber macht ein gutes Gefühl beim Anhören.

"Young Guv II" ist im besten Sinne eine Platte, die die "Guilty Pleasure"-Fahne hochhält und vielleicht auch gar nicht mehr sein will. "Young Guv I" war überraschender, weil unerwarteter - dafür ist das vorliegende Werk stringenter. YOUNG GUV ist ein authentischer Songschreiber, der sein Talent bewusst unaufgeregt zur Schau stellt und damit verdammt sympathisch agiert.

Album-VÖ: 25.10.2019