(Timezone)

Was für ein fieser Bastard!! Das waren die ersten Gedanken, die mein Hirn fluteten, als ich die Debütscheibe "Syclla/ Charybdis" der Hannover/Berlin-Connection LADY CRANK gehört habe. Bisher lief das Trio immer unter meinem Radar - klar der Name ist bekannt in der heimischen Szene, wurde von mir mit "normalen" Grunge-Aktivitäten in Verbindung gebracht. Was sich die drei Menschen aber hier haben einfallen lassen, ist an Energie kaum zu toppen - um das Fazit mal voranzustellen: Die Platte ist ein Brett.

Das Intro lässt dies noch nicht vermuten, weil das düstere Pianogeklimper an die Horror-Stummfilm-Ära erinnert und man fast erwartet, dass Nosferatu um die Ecke lugt. Weit gefehlt, denn 'Polymorph' zerschreddert im Anschluss in unter anderthalb Minuten sämtliche Erwartungen und fährt eine bitterböse Noise-Core-Attacke, die zwar mittendrin kurz aufgebrochen wird, aber im Endeffekt komplett irre ist. Und das ist positiv gemeint.

Auch die Auskopplung 'Feed The Rats' hält sich nicht mit eingängigen Töne auf, sondern möchte verwirren und verstören - trotzdem schaffen es LADY CRANK dem Ganzen Melodien zu entlocken, die vielleicht nicht sofort bemerkbar sind, aber sich nach mehrmaligen Hören erschliessen - manchmal zuckte der Bandname Converge über die innere Festplatte. Wobei im Verlauf des Albums auch Every Time I Die, At The Drive-In, The Dillinger Escape Plan oder Gallows (zu Frank Carter-Zeiten) aufploppten.

Aber ich möchte die Musik von LADY CRANK gar nicht unter den Scheffel gestellt wissen, sondern die Referenzen sollen lediglich zur ungefähren Einordnung dienen, weil man die Kreativität und die damit verbundene Umsetzung des Trios gar nicht in so markige Worte kleiden kann, wie sie es verdient hätten. LADY CRANK scheißen gepflegt auf Konventionen und sind damit mehr Punk als alles andere.

Bei 'What Comes Next' regiert der erwähnte Grunge-Einfluss, der aber durch massive Ryhthmuswechsel Dynamiken freisetzt, die dich kaum ruhig auf dem Sessel sitzen lassen. Hört man "Scylla/ Charybdis" (übrigens zwei Seeungeheuer aus der griechischen Mythologie - googelt mal, dann wundert es nicht, dass LADY CRANK so klingen wie sie klingen 🙂 ) am Stück wir man quasi dazu verdammt, auszurasten. Und genau das passiert auch live - deswegen sei euch dringend ein Konzertbesuch empfohlen (Tourdates s.u.).

Wer mal richtig Bock hat, sich Kopf/Beine/Herz-mäßig auseinandernehmen zu lassen, muss eigentlich "Syclla/ Charybdis" hören. LADY CRANK liefern hier eine Performance ab, die man lange nicht erlebt hat und überzeugen mit dissonanten Strukturen, die zwischen aggressiv und emotional-angespannt pendeln. LADY CRANK leben und atmen ihre Musik und verdienen eine gehörige Portion Aufmerksamkeit.

Tour 2019/2020:

22.11. Kiel - Medusa
23.11. Hannover - Bei Chèz Heinz
05.12. Jena - Cafè Wagner
13.12. Hamburg - Hafenklang
21.12. Osnabrück - Bastard Club
- 2020 -
09.01. Berlin
18.01. Braunschweig

Album-VÖ: 23.11.2019