(Long Beach Records Europe/Broken Silence/Believe Digital)

Wenn man acht Jahre keine Platte rausgebracht hat und plötzlich wieder auf der Bildfläche erscheint - spricht man dann von einem Comeback? Egal, denn die Hauptsache ist, dass ELFMORGEN es endlich wieder geschafft haben, neue Musik aufnehmen und mit "Zuhause" ein fettes Statement in die hiesige Punkrock-Szene rauszublasen.

Bereits der Opener 'Tanz' zeigt, wo der Frosch die Locken hat und überzeugt mit super-melodischen Punkrock, der den Pop in den Arm nimmt und Texte präsentiert, die sich eindeutig positionieren und dem rechten Gesindel den ausgestreckten Mittelfinger entgegenstreckt. ELFMORGEN haben eine Spielart im limitierten Genre gefunden, die es ihnen erlaubt, klare Formulierungen zu artikulieren und das Ganze in eingängige Songs zu verpacken, die sich sofort im Gehörgang einnisten. Aufgrund der musikalischen Leichtigkeit, die aber nie redudant wird, ist es einfach den wichtigen, zuweilen witzigen und ironischen Texten zu folgen, was keine schlechte Eigenschaft ist - denn so bekommt man als Zuhörer einige Hits entgegengeschleudert, die nicht nur Bauch und Herz treffen, sondern das eingerostete Tanzbein zum Schwofen bringt. Dazu gehört auch 'Nur Für Dich' - ein Liebeslied der allerersten Güte, in dem es darum geht, was man für seinen Schwarm alles ändern würde, ohne sich selbst zu vergessen. Der dritte Song 'Kind' ist etwas zurückhaltender, dabei rockiger und wieder mit dieser unglaublichen Melodiedichte. Vom Gesang erinnern mich ELFMORGEN etwas an Terrorgruppe, was durchaus als Kompliment zu verstehen ist.

Die Background-Chöre sitzen ('Bei Aller Liebe', 'Schön'), textlich bewegt sich das Ganze im Farin Urlaub/ Die Ärzte-Universum und hat damit mehr Aussagekraft und Humor wie ähnlich gelagerte Bands wie z.B. Montreal. 'Die Letzten Lichter' könnte der perfekte Abschluß einer tollen Pop-Punk-Platte sein, da hier eine Art Ballade, nur begleitet von einer schrammeligen E-Gitarre, präsentiert wird, die völlig unpeinlich die letzten Momente einer durchgefeierten Nacht zelebriert (hat irgendwer 'Eine Letzte Letzte Runde' & Donots gerufen?).

Es folgt aber noch eine Art Bonus in Form des absoluten Live-Killers 'Oberlippenbart' - ein spaßiges "Anthem", welches sicherlich immer als letzter Song eines Sets herhalten muss. Und deswegen perfekterweise auch "Zuhause" beschliesst.

ELFMORGEN haben den deutschsprachigen Punkrock jetzt nicht revolutioniert, aber mit "Zuhause" ein wunderbares Album geschaffen, welches unterhält, etwas aneckt und manchmal nachdenklich macht - sich aber nicht zu schade ist, die große Catchyness raushängen zu lassen und so eine Hitdichte kreiert, von denen andere Bands nur träumen können.

Album-VÖ: 29.11.2019