Für die Schweden von FRISKA VILJOR gibt es zwei zentrale Orte auf ihren Reisen durch Deutschland. Zum einen dürfte dies Hamburg sein, wo das Projekt FRISKA VILJOR in einem kleinen Plattenladen in der Wohlwillstraße seinen Lauf nahm. Und zum anderen das Forum in Bielefeld. In diesem sympathischen Indie-Club spielten die Jungs nämlich ihren ersten offiziellen Tourgig außerhalb von Schweden. Somit ist es kein Wunder, dass Daniel Johansson und Joakim Sveningsson gerne und regelmäßig einen Tourstop im Bielefelder Forum planen. Das dieser 2019er Gig sich als denkwürdig erweisen sollte, konnte man zu Beginn des Abends noch nicht ahnen.

Als Wegbereiter für FRISKA VILJOR standen heute ihre Landsmänner von DISKOPUNK auf der Bühne. Die mir bis dato unbekannte Band erfüllte ihren Job als Einheizer mit Bravour. Eine vor allem auf die Tanzbeine zielende Mixtur aus Disco, Punk und Alternative, der seine Entsprechung in Referenzbands wie den angesagten Parcels findet. Dabei sticht vor allem Frontmann Antonio America mit seinen Entertainerqualitäten aus dem Ensemble hervor. Dass sich die Band um einen außergewöhnlich guten Frontmanns bewusst ist, beweist sie mit dem selbstironischen Track 'Antonio America', welcher die Transformation des jungen Mannes hin zur Bühnenrampensau behandelt.

Eine gute Dreiviertelstunde dauert das Aufwärmprogramm bevor FRISKA VILJOR eine gut geölte Tanzmenge übernehmen. Es folgt ein 90minütiger Querschnitt durch die FRISKA VILJOR Discographie, welche sich in einem äußerst berührenden Mittelteil vor allem der Neuausrichtung der Band widmet. Mit Tränen in den Augen berichtet Sänger Joakim Sveningsson von seinen privaten Tiefschlägen, welche in der Trennung von Frau und Kindern ihren Ausdruck fanden. Emotional und kreativ befand er sich im Loch und eine neue FISKA VILJOR Platte, oder überhaupt eine Fortführung der Band, war für ihn nicht denkbar. Doch dank seines Bandkollegen Daniel Johansson, der ihm völlige künstlerische Freiheit lies, klingen FRISKA VILJOR im Jahr 2019 nun völlig anders. Der Anfang des Jahres erschienende Longplayer "Broken" ist düster, traurig und melancholisch. Eine Stimmung die durch die Songs wie 'All Is Good' oder 'Mistakes' auch in den Mittelteil des Sets übertragen wird.

Wie die Band es im Anschluss schafft den kompletten Raum wieder mit Euphorie zu füllen ist dann ganz großes Gefühlskino. Und wenn man sieht wie das Publikum spätestens beim Refrain zu 'Wohlwill'-Straße hüpft, tanzt und lauthals mitsingt, schließt sich der Kreis zu den Anfangstagen der Band und ihren ersten Auftritten im Forum.

Fotos by Mark Haake.