(Midsummer Records/ Cargo Records)

ATLANTA ARRIVAL werden zum Ende des Jahres ihr Debütalbum "A Tale Of Two Cities" auf den Markt werfen, sind aber beileibe keine unbeschriebenen Blätter. Zuvor war ein Großteil der jetzigen Mannschaft bei The Satellite Year tätig, die mit ihrem alternativen Emo-Rock dem ein oder anderen bekannt sein dürfte.

Während der Aufnahmen zur vorliegenden Platte ist Drummer Björn aufgrund eines Gehirntumors (#FuckCancer) verstorben. Nach intensiver Trauerarbeit wurde gemeinsam mt der Familie entschieden, dass das Erbe von Björn weitergeführt werden soll und die bereits eingespielten Schlagwerk-Spuren Verwendung auf "A Tale Of Two Cities" finden sollen. So ist ein Album entstanden, welches schon aufgrund der Geschichte hoch-emotional ist - und soviel sei verraten: Björn wird stolz auf seine Jungs sein, denn sie haben Lieder geschrieben, die lange nachwirken, im Erinnerungszentrum nachhallen und eine Eingängigkeit versprühen, die ATLANTA ARRIVAL aus der lokalen Bekanntheit herausführen sollte.

Hört man die ersten Songs wie 'A Girl's Heart', 'Why' oder 'Gravity' fühlt man sich in eine Zeit zurückkatapultiert, als emotionaler Rock mit Post-Hardcore-Einschlag en vogue war und Bands wie Hawthorne Heights, Armor For Sleep oder Taking Back Sunday eine große Welle schoben. Gerade die kolportierte Eingängigkeit hat dem Genre immer einen Stempel aufgedrückt, die die Ernsthaftigkeit in Frage gestellt hat. Aber Emotionen, gesellschaftliche oder persönliche Aussagen und zupackende Songs schliessen sich ja nicht aus. Gerade diese angebliche Ambivalenz können ATLANTA ARRIVAL umschiffen, in dem sie Kompositionen kreieren, die aus dem Bauch heraus kommen und mit all dem verfügbaren Herzblut transporiert werden. Durch den glasklaren Gesang und Songs, die es sich im Midtempo gemütlich gemacht haben, schimmert als Referenz ab und an Jimmy Eat World durch, was  als absolutes Lob gemeint ist. Denn der internationale Standard den die Saarländer abliefern, ist beeindruckend konstant und durch überraschendes Songwriting geprägt.

'Twins', 'Highwire Act', 'Colliding Star' oder der Abschlusstrack 'Remember The Highs' sind beste Beispiele für das Schreiben toller Melodien, die nie zuviel Pop sind, aber super-einprägsame Strukturen und Dynamiken aufweisen, so dass die Songs zwangsläufig im Ohr kleben bleiben.

ATLANTA ARRIVAL finden immer den richtigen Abzweig, um niemals zu kitschig oder überladen zu wirken. Ihre Songs sind gefühlsbetont und haben im gleichen Moment den notwendigen Punch, um sich die Aufmerksamkeit des Hörers zu sichern. "A Tale Of Two Cities" ist vielleicht kein Meilenstein, aber ein sehr gutes Emo-Rock-Album, welches manchmal nostalgische Gefühle provoziert, die man gerne zulässt.

Album-VÖ: 20.12.2019