(Cap on Kat/Kartel.)

Mit seinem zweiten Album "Graveracer" möchte Singer/Songwriter und Schauspieler MICHAEL MARLAKEY (u.a. Vampire Diaries) das zweite Jahrzehnt entspannt einläuten. Wer künstlerisch so talentiert und kreativ ist, hat bestimmt Kompositionen in der Hinterhand, die emotional ergreifend und gleichzeitig authentisch sind. Schauen wir mal. Zumindest kann man bei einer Laufzeit von 47 Minuten bei zehn Songs bereits frohlocken, dass sich Mr. MARLAKEY ordentlich Zeit nimmt, damit sich seine Lieder entfalten können.

Schon nach den ersten drei Tracks ('Graveracer', 'Shake The Shiver' und 'Sea Of Red') wird klar, dass es MICHAEL MALARKEY düster, melancholisch und zurückhaltend-intensiv mag, was natürlich in erster Linie an seiner dunklen Gesangsstimme liegt, die mit der vorsichtigen Instrumentierung perfekt harmoniert. So pendelt der Gesang zwischen einer eindringlichen Erzählstimme und sporadischen Versuchen Variationen gesanglich einzubringen. Hier liegt auch etwas der Hund begraben, denn aufgrund der hörbaren Limitierung bei der Phrasierung, kann die Platte schnell nerven bzw. langweilen.

MICHAEL MARLAKEY scheint stark verwurzelt im traditionellem Americana zu sein und bricht auch bei den folgenden Songs nur sehr bedingt aus - hier mal ein überraschender Akustikgitarren-Anschlag, dort das Weglassen von erwartbaren Melodieansätzen. Dies reicht aber leider nie aus, um die schläfrige Vehemenz zu durchbrechen. Allein für sich stehend sind Songs wie 'Damage Me Deeply', 'Love Is Not A Thing To Burn' oder 'In Love And Death' sicherlich schön anzuhören - mit der Dauerberieselung auf Albumlänge wird es aber harte Arbeit durchzuhalten. Obwohl die Texte und die Musik keine "Partykracher" sind, steht das Hoffnungsvolle im Hintergrund bereit. Und wenn man sich die Zeit nimmt, sich mit den Liedern ausführlich zu beschäftigen, durchbricht man durchaus den Schleier des Depressiven und kann Facetten entdecken, die einem ein gutes Gefühl vermitteln.

"Graveracer" ist also für Menschen, die sich in Musik einfühlen wollen - die gleichermaßen Nick Cave und Johnny Cash zu schätzen wissen. Für die Meisten wird die Platte von MICHAEL MARLAKEY schwieriges Terrain werden. Aber probiert es ruhig aus - mein Tipp: Das Album in Etappen hören, erleichtert den Zugang ungemein.

Album-VÖ: 10.01.2020