(Bridge Nine/ Quiet Panic)

Nun gibt es also doch noch ein neues Album von BEACH SLANG. So richtig klar war dies nach den letzten turbulenten Jahren nicht. Die Bekanntgabe der Auflösung während eines Konzertes, der komplette Austausch der Band, ein Nebenprojekt namens Quiet Slang - die einzige Konstante war und ist Mastermind James Alex, der nach seinem "leisen" Werken mit Quiet Slang wieder Bock auf laute Gitarren hatte und neue Musiker um sich gescharrt hat, um "The Deadbeat Bang Of Heartbreak City" auf den Weg zu bringen. Mit Bassist Tommy Stinson (The Replacements) hat er sich eine lebende Legende ins Studio geholt, um seinen neuen Kompositionen einen besonderen Schliff zu geben.

Nachdem BEACH SLANG mit ihren vergangenen Alben "The Things We Do To Find People Who Feel Like Us" und "A Loud Bash Of Teenage Feelings" einen eindrucksvollen Hype kreieren konnten und emotionalen Punkrock der Marke Hüsker Dü oder ganz junge Goo Goo Dolls zurück ins Bewusstsein der heutigen Jugend transportiert haben, macht sich "The Deadbeat..." auf die Suche nach der Essenz des Classic-Rocks im Punkrock-Gewand. Was schräg klingt, kann wunderbar funktionieren oder total in die Hose gehen. Zumindest ruht sich Herr Alex nicht auf seinen verdienten Lorbeeren aus, sondern probiert neue Sounds aus, die er mit seiner ihm eigenen Art des gehauchten, krispigen Gesangs unterfüttert.

Ein leises, klassisches Geigen-Intro, welches sich nach zwanzig Sekunden in ein feines Rückkopplungs-Intermezzo überleitet und dann instrumental punkrockig ausklingt, nicht ohne einem Zwischenruf von Mr. Alex höchstselbst. So beginnt "The Deadbeat Bang Of Heartbreak City" - der erlebte Song nennt sich 'All The Kids In L.A.'. Der nachfolgende Track 'Let It Ride' ist dann teils typisch BEACH SLANG (gesanglich), packt aber überraschende, weil ausufernde Gitarrenarbeit dazu, was neu ist. So hat der Sound einen oldschooligen Charme, der gewöhnungsbedürftig ist. Wenn man sich darauf einlässt, hat man munteren Classic-Rock der gehobenen Qualitätsstufe. Ob der Gesang mit Absicht so nach hinten gemischt hat, weiß ich leider nicht - die Gitarren haben definitiv das Zepter in der Hand.

Und es geht nahtlos mit 'Bam Rang Rang' weiter, der ordentlich Power im Arsch hat und die Punkrock-Fahne schwenkt - nach einem kurzen Verschnaufpause im Mittelteil wird der Song komplett umgekrempelt und endet als veritabeler Schweinerock-Hit. 'Tommy In The 80's' ist genau das, was ihr erwartet bei so einem Titel. Leicht cheesy, aber nicht allzu sehr drüber, so dass der Track trotzdem noch Spass macht - wird aber spätestens beim 20. Hören verdammt ausgelutscht sein. 🙂

Mit 'Nobody Say Nothing', 'Nowhere Bus' und dem Abschluss '12 Bar No One' kommt dann BEACH "Quiet" SLANG aus der tiefen Grube des zu Vergessenen - denn dieses gejaulte Rumgehauche, untermalt mit Geigen, Piano und kaum zu hörenden Akustik-Gitarren ist nur eins - nervig!

'Born To Raise Hell' funktioniert eigentlich wunderbar - ordentlich Power, sehr eingängig. Allerdings ist der Sound so matschig produziert, dass man quasi nur die Elektrische hört, die vor sich hinschreddert. Die Melodie kann man sich im Kopf zusammenbauen. Das ist krachiger Indierock in Reinkultur, der aber leider etwas seine Zuhörer vergisst. 'Sticky Thumbs' wirkt unentschlossen und wie eine B-Seite der frühen Oasis.

'Kicking Over Bottles' könnte eigentlich ein Highlight sein, denn die Komposition hat alle Merkmale eines BEACH SLANG-Hits: Durch die abstruse, weil sich ständig wiederholende Strophe (ohne Variation oder Nuancen) ist es recht schnell ermüdend - da kann auch das klug gesetzte Saxophon nicht mehr viel retten.

Positiv anzumerken ist sicherlich, dass James Alex versucht, seine kreativen Wünsche auf Platte zu bannen und scheinbar wenig Kompromisse eingehen möchte. Leider hat er vergessen, dass man seine Fans mitnehmen muss, denn die vielen Ideen und das Einbinden von Stilelementen, die ihn merklich beeinflusst haben, ändert nichts an der Tatsache, dass BEACH SLANG ziellos und durcheinander wirken. Eine notwendige Stringenz vermisst man auf "The Deadbeat Bang Of Heartbreak City" bedauerlicherweise.

Album-VÖ: 10.01.2020