(OMN Label Services)

Als die Ankündigung kam, dass SMILE AND BURN auf ihrem nunmehr fünften Album in die Landessprache wechseln werden, war ich nicht wirklich überrascht, weil sich dadurch meine festgefahrene Meinung gegenüber der Band nur nochmal bestätigt hat. Die Berliner haben immer solide abgeliefert, aber mitunter wenig Sympathien bei mir ausgelöst - wobei ich nicht einmal konkret sagen kann, was der Auslöser war. Manchmal war es vielleicht einfach drüber - Interviews bei denen die Ironie nicht gepasst hast, große Rockstar-Gesten auf kleiner Bühne, das (gefühlte) Anpassen von Stilmitteln, wenn gerade etwas angesagt war und immer die Tendenz, wie die großen Brüder im Geiste Beatsteaks sein zu wollen, aber dies nur im kleinen Rahmen zu schaffen.

Deswegen war der erste Gedanke, nachdem die Information durchsickerte, dass die zum Trio geschrumpfte Band das kommende Album auf deutsch präsentiert: "Klar, weil die Donots und andere Punkrock-Bands gerade erfolgsverwöhnt sind, müssen SMILE AND BURN ja auf den Zug aufspringen". Ich habe im Grunde nichts anderes erwartet, als eine billige Kopie ohne Seele - "Morgen Anders" hat meine Haltung aber torpediert und meine Einstellung zur Band korrigiert.

Denn: Die Platte macht Spass. SMILE AND BURN finden ihre Nische, lassen sich inspirieren, ahmen aber nicht nach, sondern können ihre eigene Individualität auf Tonträger bannen. Und als Mentoren und Freunde standen Teile der Donots mit Rat und Tat zur Seite - somit schliesst sich der Kreis.

Mit 'Zubetoniert' eröffnet das Album sackstark. Ich komme aber nicht drumherum ein paar Referenzen zu nennen, die mir beim Hören durch's Kleinhirn schiessen (was vielleicht in der Natur der Sache liegt). Die Strophen könnten locker auch von Smoke Blow kommen, während es sich der Refrain in alten Madsen-Gefilden gemütlich macht. Nachfolgend wird die enthusiatische Stimmung mit 'Zünde Mich An' nochmals gesteigert, weil das drängende "nach-vorne-pushen" mit wunderbarer Melodie und zupackenden Sing-A-Long dazu verführt, völlig losgelöst durch die Gegend zu Hüpfen und den Jugendlichen in sich wiederzuentdecken. 'Nicht da' ist dann etwas nachdenklicher und zurückhaltender. Ein melancholischer Rocker, der Punk atmet und den Zuhörer fesselt (klar, hier schimmert deutlich der Einfluss von Donots durch, aber auf eine sehr angenehme, unaufdringliche Weise).

Und SMILE AND BURN liefern weiter ab. Ob nun intensiver, emotionaler Punkrock ('Kalendersprüche'), ein Akustik-Punker namens 'Die Schönsten Bilder' oder der Post-Core-Smasher 'Weinschorle' - alles wirkt in sich geschlossen und perfekt arrangiert.

Das große Ganze wird nie aus dem Auge verloren und deswegen ist "Morgen Anders" ein kompaktes, ehrliches Album geworden. Ich bin überrascht und gebe gerne zu, dass ich so ein rundes Ding von SMILE AND BURN niemals erwartet hätte. Chapeau!

Album-VÖ: 10.01.2020