(Spinefarm Records)

Fast 30 Jahre haben ANTI-FLAG jetzt auf dem Buckel und in dieser Zeit 12 Studioalben (Inkl. dem neuen "20/20 Vision") veröffentlicht. Dazu kamen etliche Specials wie Akustik-Sessions oder Live-Platten. Ausgeruht haben sie sich definitiv nie, was auch ihre politischen Aktivitäten beinhaltet - ob nun für Peta, Amnesty International, der Kampf gegen Nazis, die NRA oder die konservativ-christlichen Strömungen der aktuellen Regierung. Sie streuen mit ihrem politischen Punkrock Salz in die Wunde einer Gesellschaft, die teilweise nur noch zuschaut wie u.a. Machtmissbrauch und wirtschaftliche Interessen dazu führen, dass sich die Welt langsam aber sicher selbst zu Grunde richtet.

ANTI-FLAG wissen, dass sie mit ihren Alben nicht die Welt verändern können, aber sie nutzen die Möglichkeit ihren Fans Informationen und Gedanken mit auf den Weg zu geben, die vielleicht manch einen dazu bewegt, selbst aktiv zu werden und als Individiuum damit beginnt, seine direkte Umwelt positiver zu gestalten.

Elf neue Songs werden auf "20/20 Vision" präsentiert und es wäre eine Lüge, wenn ich behaupten würde, dass ANTI-FLAG Überraschungen bereithalten. Oder vielleicht doch? Natürlich klingt ein ANTI-FLAG-Song weiterhin wie ein ANTI-FLAG-Song - und warum auch nicht? Das Quartett aus Pittsburgh hat sich seinen Status hart erarbeitet und sie haben über die letzten Jahrzehnte einen Trademark-Sound entwickelt, der sie als Referenz etabliert. Deswegen ist es müßig über die qualitativ hochwertigen Punkrock-Songs zu philosophieren. Die Texte sind direkt, tun weh und sollen Bewusstsein schaffen, für das gesellschaftliche Ungeleichgewicht auf unserem Planeten. Die Musik drückt gut nach vorne - der Wut gepaart mit unglaublicher Eingängigkeit, wird ein Ventil gegeben und produziert massig Hits der Marke 'It Went Off Like A Bomb', 'Don't Let The Bastards Get You Down' (Rancid anyone?) oder 'A Nation Sleeps' (coole Strike Anywhere-Nummer).

Die Refrains sitzen wie 'ne eins, die Background-Chöre sorgen für die nötige Power. 'Un-American' ist dann die untypische AF-Nummer, die mit leichtem Americana (sic!)-Touch in ruhige Gefilde driftet, um im Anschluß mit dem letzten Track 'Resistance Frequencies' doch noch zu überraschen, weil hier (erstmals?) eine zurückhaltende Bläsersektion eingesetzt wird, die dem Ganzen einen unaufdringlich-poppigen Anstrich gibt.

"20/20 Vision" ist eine tolle Platte von ANTI-FLAG, die neben ihrem typischen Sound ein paar Nuancen bereithält, die verblüffen, aber perfekt integriert werden. Über die Wichtigkeit eines ANTI-FLAG-Album muss man nicht groß diskutieren. Gut, dass es die Jungs gibt und noch wunderbarer, dass sie weiterhin qualitativ hochwertig abliefern.

Tour 2020:

21 Jan - Berlin, DE @ SO36
22 Jan - Munich, DE  @ Backstage Werk
23 Jan - Nuremberg, DE @ Löwensaal
24 Jan - Chemnitz, DE @ Talschock
28 Jan - Hamburg, DE @ Fabrik
29 Jan - Köln, DE  @ Essigfabrik
 

Album-VÖ: 17.01.2020