(Roadrunner Records / WMG)

Aus England (genauer: Leeds) kommen die Crossover-Erneuerer HIGHER POWER. Die Begrifflichkeit Crossover hat zwar einen schalen Beigeschmack, aber die präsentierte Musik auf dem zweiten Album der Band, lässt sich nicht anders einordnen. "27 Miles Underwater" zeigt mithilfe der elf Songs, dass es möglich ist einen Bastard aus Grunge, Hardcore, Punk und leichten Funk-Anleihen zusammen zu basteln, welcher zum Ersten die geballte Power in sich trägt und zum Zweiten eingängige Nackenbrecher zu Tage fördert, die noch lange nachwirken. Somit ist die HIGHER POWER-Interpretation von Crossover sehr hörenswert und weit davon entfernt, stumpfe und unkreative Strukturen aufzufahren. Das absolute Gegenteil ist der Fall.

Bereits mit ihrem Debütalbum "Soul Structure" haben sie mit ihrem Ansatz verblüfft und begeistert. HIGHER POWER fühlen sich sicher in der Hardcore-Szene zuhause, ignorieren aber zunehmend Genregrenzen und öffnen sich weiteren Einflüssen. Dieser grundsätzliche NYHC-Groove ist schonmal ziemlich markant - es wummert, es drückt und es knallt allerorten. Mit dem für Hardcore-Verhältnisse enorm variablen Gesang und Dynamiken, die die erwartbaren Strukturen aufbrechen, kreiert das Quartett allerdings eine Musik, die einen hohen Wiedererkennungswert inne hat und sie zu etwas Besonderen macht.

Bereits beim Opener 'Seamless' werden etliche Stile zu einem knackigen Song verschmolzen, was nicht nur beweist wie talentiert und kreativ HIGHER POWER agieren, sondern zudem mit einem Händchen für beeindruckend eingängige Kompositionen überraschen können. Bei 'Shedding Skin' dominiert der Hardcore, während der nachfolgende Track 'Lost In Static' Post-Core-Töne anschlägt und mit seiner melancholischen Grundstimmung ordentlich die Nackenhaare aufstellt.

HIGHER POWER haben diesen sympathischen Mix aus Hardcore-Elementen und Indie-Rock-Ideen mit eigenen Vorstellungen gefüllt und erinnern angenehm an eine Zeit, als Bands der Marke Finch, Thursday oder Title Fight durch die Decke gingen - das Ganze mit der rhythmischen Präzision von Helmet kombiniert - und man bekommt eine ungefähre Vorstellung davon was HIGHER POWER für Gefühlswallungen auslösen können.

Denn auch die weiteren Songs auf "27 Miles Underwater" sind hervorragende Beispiele für einen dominanten Sound, der zwar zupackt, aber nicht abschreckt. Die teils nostalgisch anmutende Produktion ist für ihre Klarheit und druckvollen Sound extra zu loben - so kommen Lieder wie 'King Of My Domain', 'Starring In The Sun' oder 'Self Rendered Lost' perfekt zur verdienten Aufmerksamkeit.

"27 Miles Underwater" ist ein wunderbar kompaktes Album geworden, welches HIGHER POWER auf ein neues Level hebt. Zugegebenermaßen braucht die Platte 2-3 Anläufe bis sie zündet, aber gerade das macht sie so interessant. Der oldschoolige Ansatz überzeugt und könnte für den ein oder anderen Platz in Jahresbestenlisten gut sein.

Tour 2020 (w/ The Amity Affliction & Beartooth):

16.02.2020 Stuttgart - LKA Longhorn (ausverkauft)
20.02.2020 München - Ton Halle (ausverkauft)
21.02.2020 Oberhausen - Turbinenhalle
22.02.2020 Wiesbaden - Schlachthof (ausverkauft)
04.03.2020 Hamburg - Grosse Freiheit 
05.03.2020 Berlin - Huxleys Neue Welt
06.03.2020 Leipzig - Felsenkeller

Album-VÖ: 24.01.2020