(Homebound Records)

Man kann es sich einfach machen und 13 CROWES als Plagiat von The Gaslight Anthem oder deren Vorbild Bruce Springsteen abtun. Und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das englische Quartett durchaus musikalische Berührungspunkte zu genannten Referenzen hat. Allerdings sind 13 CROWES viel zu eigen und authentisch, um sich unterbuttern lassen zu müssen. Bereits auf dem Vorgängeralbum "Young Poets" wurde der erwähnte Kritikpunkt aufgrund des Talents von wunderbaren Kompositionen im Keim erstickt. So wird es auch "Solway Star" ergehen - zuerst sind da diese verblüffenden Ähnlichkeiten zu dem New Jersey-Outfit von Brian Fallon, aber geht man den Songs auf den Grund, wird man mit tollen Liedern belohnt, die eine Menge Emotion und Tiefe transportieren. Das ist "Working-Class-Punk-Rock" in seiner konsequentesten und besten Umsetzung.

Textlich wird das weite Feld von persönlichen Erlebnissen ebenso abgegrast, wie eine gesellschaftliche Komponente Einzug hält. Da sich Fronter und Texter Cammy Black selbst reflektiert und Erfahrungen als Boxer, Maurer und seinem Vatersein mitteilt, bekommt man einen unverfälschten Einblick in das Seelenleben des Protagonisten. Abgerundet wird das Ganze durch die bereits erwähnte ehrliche Musik, die nie mehr darstellen möchte, als sie ist.

Dass auch die Produktion ihren Anteil am Gelingen beiträgt, merkt man bereits beim Einsteiger 'Gypsy Queen'. Der verhaltene Anfang eskaliert kurzfristig ab der zweiten Minute - danach trägt sich der Song ganz von selbst sicher in den Hafen. Durch die warme Produktion, kann sich der Song entfalten und wird leidenschaftlich. Der raue Gesang von Mr. Black tut sein Übriges, um den Gänsehaut-Quotient in die Höhe zu treiben.

Der beherzte Gesang ist es auch, der der Platte einen hohen Wiedererkennungswert mitgibt, denn gegen Cammy Black, klingt ein Chuck Ragan wie ein Chorknabe. Ich bin schon fast geneigt einen Vergleich mit Joe Cocker herzuleiten 🙂 Songs wie 'Solway Star', 'No Guts No Glory', 'DG 12' oder 'A75' partizipieren natürlich von der Art der Intonation. Gerade die ruhigeren Parts auf "Solway Star" verursachen Entenpelle, v.a. wenn man sich die Songs über Kopfhörer gibt, weil die Wirkung nochmals potenziert wird. Musik, die bewegt und gleichzeitig so ernst und ehrlich ist - das ist im schnelllebigen Musikgeschäft nicht mehr alltäglich, deswegen überzeugen 13 CROWES mit ihrer Herangehensweise. "Solway Star" ist kein Album, welches sofort als Lieblingsplatte des Jahres erkannt wird, sondern die Liebe zum Album muss sich ein bisschen erarbeitet werden. Wenn man dann allerdings erkennt, welches Potential hier schlummert und wie viele Facetten die vier Engländer uns präsentieren, muss man neidlos den Hut ziehen.

Manche werden es unspektakulär nennen, andere solide - beides stimmt, aber 13 CROWES bieten so viel mehr, denn alles an Herzblut und Gefühlen wurde reingeworfen, um "Solway Star" zu einem Rock-Album zu machen, welches lange nachwirkt und begeistert.

Verpasst nicht die Labeltour von Homebound Records mit den grandiosen Vorbands Stumfol und Jawknee Music.

Tour 2020:

19.02.2020 CH-Zürich, Hafenkneipe #
20.02.2020 DE-Stuttgart, Juha West #+
21.02.2020 DE-Trier, Mergener Hof #+
22.02.2020 DE-Bochum, Trompete #+
23.02.2020 DE-Hamburg, Astra Stube #+
25.02.2020 DE-München, Zehner +
26.02.2020 DE-Frankfurt, Nachtleben #+
27.02.2020 DE-Hannover, Lux #+
28.02.2020 DE-Berlin, Cassiopeia #+
29.02.2020 DE-Mönchengladbach, Waldhausen Astoria #+

mit STUMFOL (+), Jawknee Music (#)

Album-VÖ: 24.01.2020