(End Hits Records/ Cargo Records)

Dass NATHAN GRAY umtriebig ist, steht ja außer Frage. Der Boysetsfire-Frontmann hatte nicht nur Bandprojekte, die er während der BSF-Pausen installierte (The Casting Out/ I Am Heresy etc.), sondern sich immer auch solo ausprobiert. Nachdem er als Nthn Gry recht düster-waviges Material veröffentlichte, hat er vor knapp zwei Jahren sein erstes "offizielles" Album namens "Feral Hymns" herausgebracht. Dieses war fast komplett in Eigenverantwortung arrangiert und klang irgendwie unfertig. Mittlerweile hat Herr Gray ein paar feste Mitstreiter um sich gescharrt, die ihm beim neuesten Werk "Working Title" tatkräftig unterstützen. Man kann schon jetzt behaupten, dass die Lieder mit Bandunterstützung besser klingen und der einzigartige Gesang fokussierter denn je rüberkommt.

Mit Weggefährten wie Chris Rakus (u.a. Boysetsfire) und Ben Christo (Sisters Of Mercy) sind talentierte Musiker am Start, die den Kompositionen die Richtung weisen und den guten NATHAN in den Mittelpunkt stellen. Der Alternative-Rock-Unterbau atmet die Punkrock-Roots der Beteiligten und gibt den Songs ordentlich Schwung mit auf den 13-Tracks-starken Weg.

Schon der Opener 'In My Defense' ist lebensbejahender und positiver aufgeladen, als alles was NATHAN GRAY in der letzten Dekade aufgenommen hat. Soviel musikalischer Frühling war ewig nicht - und es steht dem Herren enorm gut. 'I'm A Lot' folgt diesem Sound und hat eine eingängige Melodie am Start, die sich in das Gehirn einfräst. Mit dem Gastgesang von Hot Water Music-Frontmann Chuck Ragan bekommt der Titteltrack im Anschluss noch eine Dimension mehr Emotion reingedrückt. Man muss neidlos konstatieren, dass es Mr. GRAY weiterhin schafft, großartige Momente zu kreieren. Nicht gänzlich pathosbefreit, aber wenn man sich so in seiner Musik verlieren kann, dass man seinen eigenen kleinen Mikrokosmos für ein paar Augenblicke vergessen kann - bitte gern!

Ein gutes Beispiel ist das melancholische 'What About You?', das pianobegleitet beginnt und sich zu einem außerordentlichen Crescendo hochschraubt. Dass mit 'Refrain' die Ruhe ihren Platz eingeräumt bekommt, ist zwar erwartungsgemäß, aber auch klug gesetzt. So kommt auf "Working Title" über die  gesamte Laufzeit eine Struktur zum Tragen, die den Spannungsbogen aufrechterhält und dafür sorgt, dass man als Hörer dranbleibt. Schwungvolle Nummern ('No Way', 'Never Alone' und 'The Fall') dominieren und werden zwischendurch durch leise Töne ('Still Here', 'Mercy', 'Down') ihrer Superiorität beraubt (was dem gesamten Album aber guttut). Über die Gesangsfähigkeiten von NATHAN GRAY brauchen wir ja nicht diskutieren, aber was er auf dieser Platte abruft, ist schon bemerkenswert.

Fazit: "Working Title" ist ein tolles Album geworden, welches mit Facettenreichtum und Eingängigkeit punktet und überzeugt. NATHAN GRAY erfindet sich diesmal (zum Glück) nicht neu, was ganz erfrischend ist.

Tour 2020:

14.02. DE - Berlin @ Columbia Theater
15.02. DE - Münster @ Sputnikhalle
16.02. DE - Köln @ Kantine
17.02. DE - Frankfurt @ Batschkapp
18.02. DE - Hamburg @ Gruenspan
19.02. DE - Leipzig @ Conne Island
20.02. DE - Nürnberg @ Hirsch
21.02. AT - Wien @ Szene
22.02. DE - München @ Backstage
23.02. CH - Zürich @ Papiersaal
24.02. DE - Stuttgart @ Wizemann
25.02. DE - Saarbrücken @ Garage

Album-VÖ: 31.01.2020