(Triple Crown records/The Orchard)

Die Postrocker aus aus Massachusetts veröffentlichen mit "On Circles" nach vierjähriger Pause ein neues Album. Stand der Vorgänger, "Dust and Disquiet", doch erheblich unter dem Einfluss des Todes von Bassist und Gründungsmitglied Chris Friedrich, blickt die Band nun voller Tatendrang nach vorne und lässt auch einige Sonnenstrahlen der Hoffnung durch ihre Songstrukturen schimmern.

Das Highlight setzen CASPIAN direkt zu Beginn der Platte. Der unfassbar starke Opener 'Wildblood' vereint alle Stärken einer Band, der daran gelegen ist musikalische Räume zu schaffen – mit Hilfe von Sound, Atmosphäre und Improvisation. Immer wieder deutet die Band eine Soundexplosion an, fängt sich aber wieder selbst ein und spielt mit der Erwartungshaltung des Zuhörers. Das anschließende 'Flowers Of Light' dürfte definitiv das positivste Stück CASPIANS seit Jahren sein, wirkt aber eher wie ein Interlude und erinnert mich gar an Coldplays 'Life In Technicolour' – nur ohne die Pop-Attitüde:

Zum Song sagt die Band: ""Flowers of Light" ist unser Versuch, den Schnittpunkt zwischen treibender, unerbittlicher Energie und dem Trance-ähnlichen Gefühl der Träumerei zu finden. Mit einer verbissen trockenen und unberührten Mandoline, die zusammen mit unserer gewohnten Sprache aus dichten, lauten Gitarren und pulsierenden Percussions, Bassläufen und glitchenden Electronic-Sounds den Song anführt, hoffen wir, dass der Song den Hörer mit einem Gefühl des bevorstehenden Abenteuers und unverhohlenem Optimismus zurücklässt. Es macht auch einfach unglaublich viel Spaß, 7/4 über 9 zu spielen."

'Nostalgist' sticht ebenfalls heraus, denn es ist einer der wenigen CASPIANS Songs, welchem Lyrics spendiert werden. Als Sänger hat man sich Kyle Durfey von Pianos Becomes The Teeth ausgliehen, und das dieser einen guten Job abliefert, scheint geradezu selbstverständlich. 'Division Blues' zählt ebenfalls zu den Highlights und macht somit die A-Seite von "On Circels" zur besten Postrock-Plattenhälfte der letzten fünf Jahre.

Auf der B-Seite scheint die Band jedoch der Mut verlassen zu haben. 'Onsra' und 'Collapsar' strahlen nur mittelmäßig und 'Ishmael' und der Quasi-Titeltrack 'Circels On Circles' (auch hier wird wieder gesungen), gehen einfach zu wenig ins Risiko. 'Ishmael' hat zwar seine Momente, doch gerade im Postrock-Genre benötigt es eigentlich zwingend diesen WTF-Moment um aus den sich stets wiederholenden Songstrukturen herauszubrechen. Und das gelingt der Band nur auf der ersten Hälfte der Platte. Dort aber umso eindrucksvoller.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Wildblood'

Album-VÖ: 24.01.2020