(Rhino/ Warner)

Die STONE TEMPLE PILOTS hatten es in ihrer mehr als 30 Jahre andauernden Karriere nie einfach, auch wenn das Debüt "Core" einschlug wie eine Bombe in die Nachwehen des Grunge-Hypes. Die Verbindung von eingängigen Alternative-Rock-Songs mit der Eleganz und Einzigartigkeit von Scott Weilands (R.I.P.) Gesang hat eine Nische aufgemacht, die die STONE TEMPLE PILOTS über einige Jahrzehnte ausgefüllt haben. Sie hatten nie schlechte Alben, haben sich aber weiterentwickelt und ausprobiert, was den Erfolg auf hohem Niveau etwas geschmälert hat. Aufgrund der Drogenprobleme von Weiland und einhergehenden Rausschmiss, begann die Suche nach einem geeigneten Sänger, der sensastionell in Chester Bennington (Linkin Park, R.I.P.) gefunden wurde und eine spannende EP hervorbrachte. Kurz nach Bekanntgabe einer "vorübergehenden" Pause von Chester, brodelte die Gerüchteküche ob einer Reunion im Original-Line-Up, was der Drogentod von Scott Weiland verhinderte. Dann gab es ein Casting, um endlich einen festen Sänger zu finden, damit die Band weiter Bestand haben kann. Jeff Gutt hat nun den Posten seit fünf Jahren inne und konnte beim selbstbetitelten Comeback-Album von 2018 überzeugen, wenn ihm auch etwas das Charisma abgeht und der typische STP-Sound charakterliche Abstriche hinnehmen musste.

Nun folgt also der zweite Streich der "neuen" STONE TEMPLE PILOTS - mit "Perdida" versucht sich das Quartett erstmals an einer rein akustischen Platte. 10 Songs haben es auf das Album geschafft und versprechen große und intime Momente - inwieweit sich das in punkto Qualität und Catchyness niederschlägt? Mal sehen (bzw. hören).

'Fare Thee Well' eröffnet bereits sehr zurückhaltend und countryesk - hier wird purer Americana aufgefahren. Der Gutt ist ein guter (sic!) Sänger - eindeutig und ohne Abstriche, allerdings ist das trotz (oder gerade wegen) der weiblichen Background-Unterstützung und den luftigen Slide-Gitarren sehr schmalzig und so typisch amerikanisch, dass das für hiesige Hörgewohnheiten etwas dauert bis man sich reingefunden hat. 'Three Wishes' übernimmt das Ruder schon mehr im STP-Stil, es hapert aber ein bisschen an der Eingängigkeit - v.a. der Refrain kommt nicht so richtig aus dem Quark. Was mich ebenfalls leicht verwundert, ist die teils stimmliche Nähe zu Mr. Weiland (okay, ist beim "Neuen" von Alice In Chains auch der Fall) und das angepasste Aussehen an den Scott, wie wir ihn schätzen und lieben gelernt haben. Kann Zufall sein oder Kalkül - ist aber irgendwie schräg.

Der Titeltrack spielt mit spanischer Folklore und zurückgelehnten Akustik-Zupfern. So werden Serienfolgen von Narcos musikalisch untermalt, wenn die Kartellbosse zusammensitzen und sich Tequila reinpfeifen. Leider schaffen es die STONE TEMPLE PILOTS auch im Folgenden nicht, ihren Liedern einen spannenden Anstrich zu verpassen und deswegen plätschert das Album Track um Track an einem vorbei. Wie guter Akustik-Grunge oder meinetwegen Alternative-Rock klingen kann, haben vor zwei Jahrzehnten Days Of The New bestens bewiesen und damit war auch alles gesagt.

Es gibt während der gesamten Laufzeit nicht einen Ausreisser nach oben, an dem man sich orientieren könnte - das Gesamtwerk ist sehr einschläfernd und fordert die Geduld immens heraus. Vielleicht hätte eine EP gereicht. Das Songwriting ist in meinen Augen einfallslos und altersmilde. Gesanglich kann man nichts an den Fähigkeiten des Jeff Gutt aussetzen, viel spannender wäre allerdings zu hören, wie seine rockige Stimme dynamische STONE TEMPLE PILOTS-Rocker anführt. Schade, hatte mir ein wenig mehr Esprit erhofft.

Album-VÖ: 07.02.2020