(Holy Roar Records/The Orchard)

Das Feld der hiesigen Hardcore- und Metal-Szene ist längst bestellt. Somit kann man dankbar sein, wenn eine neue aufregende Band für frischen Wind sorgt. In diesem Fall freuen wir uns über GIVER aus Paderborn, welche nun mit "Sculpture Of Violence" ihr zweites Album via Holy Roar Records auf den Markt bringen.

Für das erste Album hast Du ein ganzes Leben Zeit, für das zweite nur ein paar Jahre. So liegt zwischen "Where The Cycle Breaks" und "Sculpture Of Violence" deutlich weniger Zeit als zwischen den ersten Gehversuchen von GIVER in EP-Form und dem 2018 erschienenen Debüt-Longplayer. Wer jetzt allerdings einen musikalischen Schnellschuss und Rohrkrepierer erwartet, der hat sich noch nicht eingehend genug mit GIVER befasst. Denn was die Band hier abliefert, dem muss man eine gehörige Menge Respekt entgegenbringen.

Musikalisch startet "Sculpture Of Violence" fast schon bedächtig zurückhaltend. Aber diesem ersten Eindruck wird mit den ersten Shouts des Sängers aber mal kräftig in den Arsch getreten. 'Night Season' nimmt also erst mal Anlauf und überspringt mit Leichtigkeit die selbst auferlegte Qualitätslatte. Und bereits der anschließende Titeltrack beweist, dass GIVER bei aller Raserei und Härte nie den Song aus den Augen verlieren und stets die Kurve in Richtung Eingängigkeit kratzen.

GIVER über den Titeltrack und Video "Sculpture of Violence":

"Der Song ist sowohl Title-Track als auch textlich das Kernstück der Platte. Er behandelt die (Selbst-)Erkenntnis, dass große Teile der eigenen Identität und Person konstruiert und auf dem Boden vorgefertigter Kategorien geschaffen sind. Ob Geschlecht, Nationalität, Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit: um wirklich frei leben zu können muss man diese Grenzen überwinden. Doch man ist nie nur Opfer von sondern als Teil von Gesellschaft immer auch mitverantwortlich für das Fortbestehen dieser Barrieren. Eine befreite Gesellschaft ist nur möglich, wenn wir einander gleichberechtigt das sein lassen, was wir sind."

Das folgende 'Every Age Has Its Dragons (Like An Empire)' ist eine weitere Vorab-VÖ und wurde bereits mit einem eindrucksvollen Video bedacht:

Die Band äußert sich wie folgt über den Song: "Unsere Lebensweise beruht darauf, sich weltweit Natur und Arbeitskraft zunutze zu machen, ohne für ihre Kosten aufzukommen. Wo früher Eroberer ihre Armeen geschickt haben, gibt es heute Freihandelsabkommen und komplizierte Wertschöpfungsketten, die den globalen Süden unten halten während der Norden Profite macht. Die Konsumnormen des Nordens sind nur durch ökologische Zerstörung, Gewalt und menschliches Leid aufrechtzuerhalten und im Angesicht der drohenden Klimakatastrophe tödlich – gerade für die wirtschaftlich Schwächsten. So eine Lebensweile ist imperial und steht jeder Moral gegenüber. Grundlegend verändern tut man sie jedoch nicht im Supermarkt, sondern durch Protest und strukturellen Wandel “

GIVER geben sich also betont politisch und haben durchaus etwas zu sagen, wie auch weitere Nummern auf "Sculpture Of Violence" beweisen. Zum Beispiel die Nummer 'New Gods', welche sich als schonungslose Abrechnung mit dem Kapitalismus und der Werbeindustrie herausstellt. Passend zu der Wut, welche die Band spürbar in sich trägt, und welche sich hier in positiver Kreativität entlädt, hat die Band ihren Metal-Anteil spürbar erhöht. Songs wie 'Evil Is' oder 'Imitation Dreams' sind allerbeste Hörbeispiele dafür.

GIVER - man sollte sich diese Band merken, hier könnte was richtig Großes entstehen. Zur Veröffentlichung von "Sculpture Of Violence" spielen GIVER zwei Release-Shows, weitere Tourdaten sind in Vorbereitung.

GIVER - Release Shows 2020
06.03. Paderborn, Wohlsein
07.03. Köln, Autonomes Zentrum

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Every Age Has Its Dragons (Like An Empire)'

Album-VÖ: 07.02.2020