(Out of Line Music)

Die Jungs der UNZUCHT sind echt sehr fleißig. So gab es im Sommer 2018 erst das letzte Album und nun grade mal eineinhalb Jahre später steht schon der nächste Langspieler namens "Jenseits der Welt" in den Startlöchern. Es ist die erste Platte mit dem neuen Bassisten Don Canone, aber sonst dürfte wohl alles beim Alten geblieben sein und es erwartet einen hoffentlich wieder eine krachende Mischung aus derberen und höchst melodischen Elementen.

'Jenseits der Welt' eröffnet die Scheibe schonmal mit dem gewohnten UNZUCHT Sound. Das heißt elektronische Dark Rock Klänge treffen auf fette Riffs und dazu die wunderbare Stimme von Daniel Schulz. Auch der düstere Gesang von Daniel De Clerq ist mit an Bord und so bohrt sich das Lied ohne Kompromisse sehr schnell in den Gehörgang. 'Ich und Du' beginnt mit den Worten des Dichters Dylan Thomas und zwar: "Geh nie gelassen in die Gute Nacht" und überzeugt dabei genau wie sein Vorgänger. Instrumente und Gesang fügen sich zu einem tollen Gesamtbild und schon nach dem ersten Durchlauf singt man hier lauthals mit. 'Sonnentod' gehört dann zur härteren Sorte im UNZUCHT Repertoire, zumindest was die Strophen angeht. Hier gibt De Clerq wieder alles um eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen und Der Schulz mit dem Gesang im Refrain wird sowas wie ein rettender Anker. Der bis dato beste Song auf diesem Album, welches nicht zuletzt auch am süchtig machenden Refrain liegt, bei dem mir die Riffs wirklich vorzüglich gefallen. Bei den ersten Klängen von 'Horizont' dachte ich erst nun kommt ein Mr, Brightside Cover von The Killers, als dann gesungen wird denke ich an eine ander Band und zwar Wirtz. Mensch so viele Daniels die bei diesem Album durch meinen Kopf geistern, aber sowohl textlich, als auch grade vom Gesang erinnert es schon sehr an diese Band. Eine eher ruhige Ballade und mit einem für die UNZUCHT eher ungewohnten Stil.

Da ich ja auf krasse Kontraste stehe hoffe ich schon beim Ausklingen des Liedes, dass man nun einfach was richtig agressives folgen lässt. Und wenn auf der Tracklist schon ein Gastauftritt von Andreas Dörner, also dem Sänger von Caliban, angekündigt wird, darf man da doch Hoffnungen haben, oder? Oh ja! 'Misanthropia' knüppelt sofort ohne Rücksicht auf Verluste los und wenn der Andy loslegt gibt es erstrecht kein Halten mehr. Selbst die obligatorischen Metalcore "Bleghs" finden hiermit den Einzug ins UNZUCHT Universum. Eine affenstarke Nummer und der Gastauftritt passt bei dem Text richtig gut und harmoniert auch super mit dem Gesang vom Schulz. Das ist ein bisschen die richtig harte Nummer, die ich auf "Akephalos" vermisst habe. Der Übergang zu 'Chamäleon' ist dabei fließend und so verschwindet langsam etwas von der Härte. Vor allem auf der intsrumentalen Seite gefällt mir der Song echt gut und hält die Fahne für die grandiose Qualität auf "Jenseits der Welt" nach oben. Mit 'Nein' wurde letzten Dezember dieses Album angekündigt und es ist schon deswegen besonders, weil hier der Großteil des Gesangs von De Clerq kommt und nur in der Mitte kurz Der Schulz übernimmt. Beim ersten Hören war es noch ungewohnt nun sehe ich es als eins der wichtigsten und zugleich besten Lieder der UNZUCHT in ihrer kompletten Karriere an. Einfach ein geiles Teil!

Melodien haben die Jungs einfach drauf und das hört man auch, wie 'Unsterblich' eindrucksvoll unter Beweis stellt. Der Gesang findet eher ein paar Nummern tiefer statt und erinnert damit ein bisschen an Eisbrecher. Aber auch hier gibt es im letzten Drittel einen schönen Ausflug in härtere Gefilde. 'Monsterfreilaufgehege' ist mit  2:43 Minuten relativ kurz geraten und eher langsam. Allerdings keinesfalls langweilig, denn es kommt wirklich wunderbar düster daher, bevor wir unseren 'Frieden' damit machen müssen, dass die Scheibe sich nun ihrem Ende nähert. Aber so ein Finale nimmt man doch gerne an, finden sich doch hier alle Elemente welche man von den Jungs so gerne hört. Grade der letzte Teil ist wirklich grandios und sorgt für eine Gänsehaut bei mir. 'Panzerechse' ist dann wirklich das letzte Stück und bietet auch gar keinen Gesang mehr. Es ist eher ein ausgedehntes Outro und hat ein bisschen was von Doom Metal.

Wer sich für die auf 666 Stück limitierte Deluxe Box entschieden hat kriegt dann noch eine Bonus CD namens "Kein Land in Sicht". Darauf befinden sich neben dem gleichnamigen Song noch vier Remixe und die Orginalversion von 'Misanthropia', also ohne Andreas Dörner. Ein durchaus schönes Extra für die Fans. Hier wurde mir dann auch klar wie stark der Song die Wirkung ändert, wenn der Gastgesang fehlt. Auch die Remixe sind ausnahmsweise mal gut hörbar und liefern interessante neue Ansätze.

Nach "Akephalos" habe ich mich gefragt ob die UNZUCHT die härteren Elemente nun ein wenig zurückfahren wird. Zum Glück ist dem nicht so und ähnlich wie "Neuntöter" kommt "Jenseits der Welt" wieder deutlich härter daher. Dabei verliert man aber nichts an tollen Texten und wunderbaren Melodien, Was deutschsprachigen Dark Rock angeht gehört die Band meiner Meinung nun zur absoluten Speerspitze und ich hoffe das der Siegeszug nun weitergehen kann. Zum Zeitpunkt dieser Kritik konnte ich die Platte schon über 50 mal hören und kann sie somit schon jetzt als ganz heißen Kandidaten für meine Topplatzierungen des Jahres ins Feld führen.

Album-VÖ: 07.02.2020