(22 Lives Records/Indigo/The Orchard)

THE DEADNOTES aus Freiburg liefern mit ihrem Zweitwerk "Courage" genau jenen 90er Jahre Emosound, den die Genre-Bands der ersten Stunde so nicht mehr hinbekommen.

Bei der großen Anzahl an Plattenreviews und Kritiken, die ich hier schreibe, bemängele ich immer wieder das einigen Platen einfach dieser ganz besondere Moment oder Ansatz fehlt, der die jeweilige Kunst aus dem Veröffentlichungs-Einheitsbrei herausstechen lässt. THE DEADNOTES liefern diesen WTF-Moment direkt mit dem grandiosen Opener 'Makeup':

"Der Song ist vor allem sozialkritisch und behandelt Schönheitsideale sowie die Art, wie wir unser Umfeld bewerten" lässt sich die Band sich zitieren. Das sich solch ein Thema dann noch in solch einer grandiosen Emo-Hymne verpacken lässt, verspricht bereits zum Start der Platte so einiges. Mit dieser gesteigerten Erwartungshaltung kann die Band glücklicherweise Schritt halten. Denn auch bei 'Never Perfect' stimmt alles. Der Song befasst sich mit dem Thema Mental-Health Erkrankungen und fordert von der Gesellschaft die nötige "Courage", um diesem Thema adäquat zu begegnen.

"Über Mental Health zu sprechen kann schwierig sein. Eine Depression wird oft übersehen, bleibt unbemerkt oder undiagnostiziert. Dieser Song handelt davon, zur Ruhe zu kommen, Ängste zu überwinden und den Mut aufzubringen, seine Hilfe anzubieten und sich selbst Hilfe zu suchen", diese Botschaft stellen THE DEADNOTES dem Clip zu 'Never Perfect' voran:

„Obwohl wir es in 'Never Perfect' zum ersten Mal konkret ansprechen, war Mental Health schon immer ein sehr wichtiges Thema für uns. In den letzten neun Jahren Bandgeschichte gab es immer wieder Situationen, die unsere Psychen zum äußersten strapazierten. Aber auch in unserem Umfeld, gerade bei Freunden die auch Musiker sind oder in der Musikindustrie arbeiten, haben wir beobachtet, dass immer mehr Menschen einfach nicht mehr können", so Sänger und Gitarrist Darius Lohmüller.

"Wir möchten noch mehr Aufmerksamkeit für dieses Thema erregen, und jede Betroffene und jeden Betroffenen ermutigen, sich Hilfe zu suchen, wenn sie benötigt wird. Außerdem ist es natürlich auch überaus wichtig, seinem gegenüber zuzuhören und auf seine Freunde zu achten, ihnen die Hand zu reichen, wenn man merkt, dass sie mit entsprechenden Problemen zu kämpfen haben."

Mit der Veröffentlichung von 'Never Perfect' starten THE DEADNOTES eine langfristig angelegte Spendenaktion für zwei Organisationen, die ihre Hilfe für betroffene Menschen gerade in der Musik- & Kulturindustrie anbieten.

Die Spenden fließen ab sofort an die Organisationen Ni9ht H3lps - Mental Health Support mit Sitz in Deutschland sowie Help Musicians/Music Minds Matter aus Großbritannien. Beide Organisationen bieten Workshops, Hilfsprogramme und Aufklärung zum Thema Mental Health an.

Doch kommen wir zunächst wieder auf die Brillanz von "Courage" zu sprechen. Denn auch die weiteren Tracks des Longplayers können überzeugen. 'Ghost on the Ceiling' ist erneut eine wunderbare Hymne, welche allerdings nicht mit der Tür ins Haus fällt. Ein Song zum mehrmals hören, und wenn er dann zündet, umso gewaltiger. 'Cling To You' erinnert mit seiner tief vergrabenen Melancholie an die besten Momente von den Weakerthans und 'Failsafe' öffnet sich als Quasi-Ballade den großen Popgesten ohne sich zu verheben.

'Functionality' kreuzt die Klingen der Singer-/Songwriter-Kunst mit feinstem Alternative Rock, 'I Must Have Been Blind' hebt die emotionale Seite der Band in den Fokus und noch bevor man denkt, jetzt müsste aber mal wieder ein Highlight gesetzt werden, wird eben jenes mit 'Fickle Fake Friend' geliefert. Vor allem dieser Track dürfte dafür verantwortlich sein, dass in sämtlichen Rezensionen zu "Courage" Taking Back Sunday als Referenz genannt werden dürften.

'Get Lost, Get Found' vermittelt im Anschluss direkt das Gefühl eines Album Closers, aber glücklicherweise vergönnt einem die Band mit 'Hopeless Romantic' noch eine Zugabe. Ein emotional positiver Abschluss und auch musikalischer Fixpunkt der Platte:

Abschließend lässt sich urteilen, dass THE DEADNOTES in puncto musikalischer Bandbreite und textlichem Gehalt auf "Courage" gehörig nachlegen. Auch wenn manche Songs und Melodien einen nicht direkt beim ersten Kontakt anspringen, so sollte jeder Hörer sich das Herz dieses Albums nach und nach sorgfältig freilegen. Es lohnt sich.

"Courage" Tour 2020
präsentiert von FUZE Magazine, Stageload & Count Your Bruises
Hardtickets: http://22livesrecords.com/

27.02. Oberhausen (DE), Druckluft
28.02. Bremen (DE), Tower
29.02. Münster (DE), Sputnikcafé
01.03. Cologne (DE), Tsunami Club
03.03. Stuttgart (DE), Juha West
04.03. Frankfurt (DE), Nachtleben
05.03. Leipzig (DE), Conne Island
06.03. Berlin (DE), Cassiopeia
07.03. Hamburg (DE), Astra Stube
09.03. Munich (DE), Feierwerk
10.03. Vienna (AT), Rhiz
11.03. Prague (CZ), Rock Café
12.03. Lucerne (CH), Schüür
13.03. Freiburg (DE), Waldsee
14.03. Ulm (DE), Musikmarathon
17.03. Rouen (FR), Le 3 Pièces
18.03. Bordeaux (FR), Le Fiacre
19.03. Toulouse (FR) La Cave à Rock
20.03. Lyon (FR), L'Ambuscade
21.03. Paris (FR), Le Gambetta Club
15.04. Nottingham (UK), Alberts
16.04. Glasgow (UK), Bloc+
17.04. Manchester (UK), Gullivers NQ
18.04. Leeds (UK), LS6 Café
19.04. London (UK), The Old Blue Last

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Makeup'

Album-VÖ: 14.02.2020