(Rise Records/ BMG)

Die neue KVELERTAK-Platte "Splid" hat eine Laufzeit von fast einer Stunde. Gibt es sonst irgendwas über die Norweger zu berichten? Vielleicht, dass seit dem selbstbetiteltelten Debüt wieder Kurt Ballou (Converge) federführend bei der Produktion war und dem Album neben der selbstverständlichen Tiefe einen ordentlichen Punch verpasst hat? Oder, dass KVELERTAK das erste Mal überhaupt englischsprachige Tracks präsentieren und sie einen nahmhaften Gast auf ihrem Werk begrüßen dürfen?

Das alles ist sicherlich eine Meldung wert, allerdings ist der Wechsel am Gesang schon ein einschneidenes Ereignis gewesen, was man als Band sicherlich nicht so einfach wegsteckt - und genau das spricht für die Einzigartigkeit von KVELERTAK. Gründungsmitglied und langjähriges (auch optisches; man erinnere sich an die Eulenmaske) Aushängeschild Erlend Hjelvik hat die Band vor zwei Jahren überraschend verlassen, wurde aber schnell und konsequent durch Ivar Nikolaisen ersetzt, der sich innerhalb der Szene mit seiner Hardcore/Punk 'n Roll Truppe The Good, The Bad, The Zugly einen fulminanten Status erspielt hat. Bereits bei der letztjährigen Tour gemeinsam mit Mastodon und Mutoid Man konnte "der Neue" vollends überzeugen und mit seiner ihm eigenen Bühnenpräsenz punkten.

Nun also endlich der Nachfolger des Neo-Klassikers "Nattesferd", welches die ohnehin zahlreichen Einflüsse und kreativen Ideen nochmals aufgebrochen hatte und KVELERTAK auf ein völlig neues Level gehoben hat. So viel sei verraten: Sie schaffen es mit "Splid" fast mühelos das Niveau zu halten und packen einfach noch drei, vier Schippen obendrauf.

'Rogaland' baut erstmal Spannung auf. Wie für einen KVELERTAK-Opener typisch wird gleich zu Beginn eine Intensität initiiert, die das Weiterhören bereits nach wenigen Sekunden zur Pflicht macht. Das lauernde Riffing türmt sich auf, um nach knapp zwei Minuten förmlich zu explodieren. Gänsehaut, dickes Grinsen, die Faust in der Luft! Ab jetzt läuft freigesetztes Adrenalin durch die Adern. Diese Gitarren, diese Melodien, diese Hingabe und der Bock etwas Außergewöhnliches zu schaffen und das in eine Leichtigkeit zu verpacken, ist eine hohe Kunst, die aktuell nur die verrückten Norweger schaffen. Der erste englischsprachige Track ('Crack Of Doom') in der Karriere der Band wird mit dem fantastischen Gastgesang von Troy Sanders (Mastodon) veredelt und jetzt schon ein Klassiker des modernen Heavy-Rock. Ist 'Necrosoft' bereits Punkrock oder Black-Metal oder ist es einfach egal und muss man die Schubladen bei KVELERTAK einfach verschlossen halten, weil sie sich unzähliger Elemente verschiedenster Genres bedienen und dieses zu einem einzigartigen/eingängigen Mix zusammenschrauben? Ob nun Classic-Rock, klassischer Heavy-Metal, Stoner-Rock oder Hardcore-Kanten - alle Stilrichtungen bekommen ihren Platz auf "Splid" und machen dieses Werk herausragend.

Selbst Songs, die die 7-Minuten-Grenze knacken ('Delirium Tremens', 'Bratebrann', 'Ved Breden Av Nihil'), langweilen keineswegs, weil gefühlt in jeder Sekunde etwas anderes passiert. Bestes Beispiel: 'Fanden Ta Dette Hull!' - ALTER!!!

Mit ihrem vierten Album haben KVELERTAK ihr bisheriges Meisterwerk abgeliefert. Kompakt und vielschichtig, zugänglich und entdeckbar, eingängig und kreativ. Alle Synonyme von spannend sind passend, um "Splid" zu charakterisieren. Diese Platte lässt keinen Zweifel daran, dass Norwegen aktuell die aufregendste Heavy-Szene und mit KVELERTAK eine Band hat, die momentan alle anderen an die Wand spielen kann/wird.

Album-VÖ: 14.02.2020