Wenn es darum geht Strukturen einzureißen zählt ...AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD zur ersten Garde im Alternative Rock. Seit 25 Jahren musiziert die Band bereits und kann sich dabei stets einer treuen Fangemeinde gewiss sein, wie auch der Gig im ostwestfälischen Bielefeld beweisen konnte.

Als Support stand an diesem Abend Alex Henry Foster, Sänger von your favourite enemies auf der Bühne. Musikalisch ein äußerst passender Support, dessen Musik sich als Kreuzung zwischen Isis und Swans herauskristallisierte. Zwischen den vier (!) ausufernden Songs der Band bewies sich Foster als äußerst interessante Persönlichkeit, die einiges zu erzählen hat. So ist Foster bereits seit mehreren Jahren Sprecher für Amnesty International in Kanada. Und das nachdem er den Absprung aus der rechten Szene geschafft hat, in die er sich nach schwerer Kindheit verirrt hatte. Musikalisch bewegt er sich im Feld des Postrocks mit einigen Gothic-Anleihen. Dabei wirkt musikalisch vieles auf der Bühne recht experimentell und spontan. Dennoch ergibt sich zwischen unzähligen Soundexperimenten und Soundschichten ein stimmiges Gesamtbild welches Lust auf mehr macht.

Um 21:30 hatte man die Leute im Bielefelder Forum dann genug warten lassen. Das Konzert war ohnehin bereits für 2019 angekündigt gewesen, wurde dann aber mitsamt Album zugunsten einer stilistischen Neuausrichtung und aufgrund einiger Besetzungswechsel verschoben. Die ständigen Besetzungswechsel innerhalb der Band spielen bei AYWKUBTTOD ohnehin nur eine untergeordnete Rolle und werden eigentlich gar nicht großartig thematisiert. Die Band war, ist und wird im Kern immer eine Zwei Mann Show, bestehend aus Jason Reece und Conrad Keely, sein und bleiben.

Die ersten Songs des Abends stehen ganz unter dem Zeichen des aktuellen Longplayers “X: The Godless Void and Other Stories”. Als man mit dem Hit-Doppel ‘Don’t Look Down’ und ‘Children of The Sky’ das aktuelle, durchaus überzeugende, Album abgefrühstückt hat, geht es über in ein solides Best-Of-Set, welches sich über fünf Alben spannt.

Auffällig ist jedenfalls, dass Keelys Singstimme in grandioser Form ist und ein Viertel Jahrhundert Punk N Roll dieses Mal kaum einen hörbaren Tribut aufweisen. Jason Reece wirkte ohnehin schon immer als der deutlich bodenständigere Typ und wusste auch livehaftig immer zu überzeugen. Neben den beiden Bandköpfen ist auch der Rest der Band gewillt eine gute Show abzuliefern und verliert sich mit zunehmender Spieldauer auch nicht in Geschrei oder planlosem Geknüppel, wie es in früheren Jahren schon mal vorkommen konnte. Selbst die letzten Anniversary Shows waren für den Besucher oftmals ein Glücksspiel ob die Band sich zusammenriss und nicht gerade auf Acid oder ähnlichem war.

Solche anarchischen Eskapaden sind bei Trail Of Dead 2020 fast schon nicht mehr vorstellbar. Die Band präsentiert sich in guter Form und mit einer über 20 Song starken Setlist vermutlich in der “professionellsten Form” ihres Künstlerlebens.

Photos by Marc Erdbügger