(Pure Noise Records/ Soulfood)

Fünf Jahre sind seit dem letzten (selbstbetitelten) Album vergangen - und endlich haben FOUR YEAR STRONG wieder Bock gehabt, um ihre geniale Mischung aus lieblichen Pop-Punk-Melodien und energischen Hardcore-Sprengseln neu zu formen und als Platte namens "Brain Pain" zugänglich zu machen.

Diesmal haben sie das Album vom Deathcore-Profi Will Putney (Fit For An Autopsy) produzieren lassen, der FOUR YEAR STRONG den nötigen Platz einräumt, damit sich die Songs entfalten und gleichzeitig eine Wucht entwickeln können, die den Zuhörer quasi an die Wand nagelt.

Bereits nach den ersten Höreindrücken und dem Wirken auf das Glückszentrum im Gehirn, darf man konstatieren, dass FOUR YEAR STRONG wie immer klingen und gerade das so befreiend ist. Sie entziehen sich dem allgemeinen Trend, charttaugliche Kooperationen mit Plastikmenschen einzugehen und scheißen auf das Ziel, irgendwann im Formatradio zu laufen. Insbesondere der Opener 'It's Cool' macht mit seinen brutal-dissonanten Riffing am Ende des Songs klar, dass das Quartett dem luftigen Pop-Punk-Genre ordentlich in den Arsch treten will und im Rahmen der limitieren Möglichkeiten kreativ agiert. So ist auch der Beginn von 'Crazy Pills' sehr aggressiv und wandelt sich zu einem typischen FYS-Hit, der mit Jump-Parts während des Refrains punktet und zwischendrin ordentlich Geshoute loslässt. So viele Elemente treffen hier aufeinander - aber statt Chaos entstehen Songs, deren Eingängig- und Einzigartigkeit dem Talent der Vier geschuldet ist, Melodien zu erschaffen, die zuckersüß und trotzdem heftig aus den Boxen knallen.

FOUR YEAR STRONG bringen mehr als die übliche (Metal)-Core-Kante rein und überzeugen mit ihrem geringfügig neuen Ansatz auf ganzer Linie. Die verschleppte Rhythmik bei Tracks wie 'Brain Pain' oder 'Usefully Useless' entwickelt eine Dynamik, die aus "normalen" Punkrock-Songs etwas Besonderes entstehen lässt. Natürlich können sie als Genre-Band nicht komplett aus ihrer Haut und haben mit 'Be Good When I'm Gone' eine Ballade am Start, die aber eher zum Durchschnaufen einlädt, weil die Platte noch drei weitere Lieder im Angebot hat, bei denen man seine Kräfte mobilisieren muss, um alle Bewegungsmöglichkeiten (hüpfen, moshen, pogen) ausgiebig auszukosten.

Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe den Eindruck, dass FOUR YEAR STRONG mit "Brain Pain" einen schöpferischen Höhepunkt ihrer fast zwanzigjährigen Karriere abgeliefert haben. Es gibt gefühlt tausend Überraschungen und die scheinbar unkomplizierte Verquickung von poppigen Punk mit der Brutalität des Metalcores gelingt in dieser Form nur der Band aus Massachusetts. Originell, einfallsreich, energisch, verdammt gut!

Album-VÖ: 28.02.2020