(Red Scare/ Gunner Records)

Wenn es um politischen Punkrock mit ordentlicher Hardcore-Kante geht, fällt in Kennerkreisen relativ schnell der Name GUERILLA POUBELLE. Die Franzosen haben sich im Laufe ihrer mittlerweile 17-jährigen Bandgeschichte einen hohen Beliebtheitsstatus erspielt. Mit ihren schnellen Punkrock-Granaten, die in französisch vorgetragen werden und aufgrund des zupackend-aggressiven Gesangstils von Till Lemoine, hat das Trio mehrere Alleinstellungsstellungsmerkmale, die es aus dem Gros der teils unübersichtlichen Szene herausstechen lässt. Ihre politische Agenda und das textliche "Finger in die Wunde" legen, um auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen, macht GUERILLA POUBELLE zu einem wichtigen Vertreter des politisch-engagierten Punkrock-Milieus. Deshalb ist es zuweilen ratsam, dass Booklet zur Hand zu nehmen und sich die Mühe zu machen, die Texte zu übersetzen. Mit "L `Ennui" gibt es heuer das sechste Studioalbum.

'Les Frontières Du Prèsént' gibt den Takt mit einem straight nach vorne knallenden Punkrocker vor. Der raue Gesang lässt den Track in Street-Punk-Gefilde einordnen, während das nachfolgende Lied 'La Chute' einen tanzbaren Beat wählt, um dann im Chorus schönen Sing-A-Long anzubieten - sicherlich ein Live-Favorit, weil man sich trunken (vor Freude oder Bier) in den Armen liegen kann und gemeinsam durchhüpft. 'Qui Perd Perd' präsentiert schon alleine wegen seiner übersichtlichen Länge von etwas einer Minute den musikalischen Gegenpart und überzeugt mit melodischen Hardcore-Punk. Die Hitdichte wird auch im weiteren Verlauf nicht minimiert, denn es folgt der absolute Hit 'Apocalypse 6:12' - ein midtempo-lastiger Beard-Punkrock-Song, der an Red City Radio oder Western Settings erinnert - nur mehr Feuer im Arsch hat als die Amis.

Die Begeisterung für "L `Ennui" steigert sich von Sekunde zu Sekunde, denn ein weiterer Knaller ist 'La Bataille De Paris' - eine wunderbare NOFX-Gitarre und der absolut gelungene Wechsel zwischen Skatepunk-Alarm und melancholischen Strophen. TOP! Großes emotionales Kino dann mit 'Entre Booba Et Balkany', ein Song, der sich Zeit nimmt und die Gefühlsebene antriggert. Hier darf man ruhig von Emo-Punk sprechen, ohne es als Schimpfwort zu interpretieren.

GUERiLLA POUBELLE lassen nicht einen Moment nach und liefern einen beeindruckenden Track nach dem nächsten ab. 'Le Casse Du Siècle', 'L'aigle Et La Foudre' oder 'Passer L'arme à Droite' sind weitere Beweise, der feinen französischen Händchen für druckvolle Punkrock-Songs, die niemals ihr Melodiegefühl verlieren. Ein Teil des Charmes macht sicherlich auch die Sprache aus. <3 Gute Songs bleiben gute Songs.

Und wer Nothington hintertrauert, Iron Chic zu zahm empfindet oder neues Material von Banner Pilot und Dillinger Four kaum erwarten kann, darf sich liebend gerne an GUERILLA POUBELLE satt hören, denn einen Song wie z.B. 'Vampire' werden die Genannten niemals besser hinkriegen.

Mit "L `Ennui" hat sich ein weiteres Punkrock-Highlight für dieses Jahr Bann gebrochen - bisher fliegen GUERILLA POUBELLE noch etwas unter dem Radar. Wenn die Welt gerecht wäre, muss sich der Bekanntheitsgrad der Franzosen ab sofort massiv erhöhen.

Album-VÖ: 28.02.2020