(Silver Lining Music)

Wenn eine Musiklegende wie Barrett Martin (Screaming Trees, Walking Papers, Mad Season) eine Band produzieren möchte, muss diese entweder mächtiges Glück haben, die richtigen Leute kennen oder mit ihrer musikalischen Qualität imponieren. Bei den UK-Rockern BUFFALO SUMMER ist definitiv das letzte Kriterium der Grund für das Engagement von Mr. Martin. Immerhin ist das vorliegende Album "Desolation Blue" bereits Studiowerk Nummer 3, was bedeutet, dass das Quartett bereits einiges an Erfahrung mitbringt, was jetzt formvollendet unter Beweis gestellt wird.

Die Mixtur aus Classic- und Hardrock mit einem feinen Händchen für großartige Blues-Ausflüge schlägt sich in 12 Liedern nieder, die zwischen berauschend und entspannt angelegt sind und zum frivolen Arschwackeln animieren.

Der Einsteiger 'The Power & The Greed' hat einen unnachahmlichen Groove, der mit der sexy Stimme von Sänger Andrew Hunt veredelt wird. Die Riffs sind unüberhörbar, dienen aber der Sache. Irgendwo zwischen frühen Lenny Kravitz und The Black Crowes. 'Hit The Ground Running' und 'If Walls Could Speak' schliessen sich dem vorgegebenen Sound an und verursachen Entenpelle ohne Ende - diese Slide-Gitarre bei 'Hit The Ground...'. Boah.

Im weiteren Verlauf der Platte gibt es so viele Facetten und Nuancen zu entdecken, dass man gar nicht anders kann, als "Desolation Blue" auf Dauerrotation laufen zu haben, so fern man dieser Stilrichtung zugetan ist. 'The Mirror' ist vielleicht der beste Whitesnake-Song der letzten drei Dekaden. Eingängigkeit wird bei BUFFALO SUMMER groß geschrieben, allerdings ohne zu schmalzig oder nervig zu werden. Ob das grungige Gerüst beim ausufernden 'Dark Valentine' dem Produzenten zuzuschreiben ist, sei mal dahingestellt, aber einen Song dunkel und schleppend im Alice In Chains-Manier anzulegen, um im Mittelteil mit einem Gary Moore-Solo um die Ecke zu kommen, ist schon beeindruckend.

Selbst die ruhigen Songs wie 'Last To Know' und 'The Bitter End' stoppen nicht den Fluss des Albums, sondern lassen den Hörer verschnaufen und innehalten, um im Folgenden wieder mit mächtigen Gitarrenwänden begeistert zu werden. Hie sind Menschen am Werk, die nicht nur Fachwissen und Können für sich beanspruchen, sondern mit ihrem gesamten Herzblut dabei sind. In jeder Note ist eine Emotion versteckt, die den Weg ins Hirn findet und dort als Ganzes eine Gefühlswallung sondergleichen provoziert.

BUFFALO SUMMER haben mit ihrem schicken, neuen Album "Desolation Blue" einen kleinen Silberstreif in die derzeitige Hoffnungslosigkeit gesandt und schaffen es, dass man für eine Dreiviertelstunde gut unterhalten wird. Das Songwriting ist verblüffend, strahlt dabei aber eine sympathische Einfachheit und Leidenschaft aus, die fasziniert.

Album-VÖ: 27.03.2020