(Europa/Sony)

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Und da alle Kitas und Schulen grade geschlossen sind, dachte ich man könnte mal eine etwas andere Platte rezensieren. In dem Fall handelt es sich um "Retter der Welt" von HEAVYSAURUS. Einer deutschen Metalband für Kinder ab drei Jahren, welche nach dem finnischen Vorbild im Jahr 2017 gegründet worden ist. Konzerte werden hier in kindgerechten Dinokostümen absolviert, denn Dinos gehen bei den Kleinen ja eigentlich immer und eine Lautstärke von 85 Dezibel wird nie überschritten. Lohnt sich die Investition hier also um die Kleinen zu bespassen und an Metalmusik heranzuführen?

Die Lyrics sind dabei keine reinen Spaßtexte für Kinder, sonder haben oft auch eine Botschaft. So ist 'Retter der Welt' direkt ein Aufruf zum Klimaschutz und erzählt wie man sich verhalten sollte, um die Natur zu schonen. Der Sound ist dabei vollkommen ok, alles ist halt etwas leiser als man es gewohnt ist, aber auf ein Gitarrensolo müssen auch Kinder nicht verzichten. Spassiger geht es bei 'Riese in Texas' zur Sache, bei dem auch ein paar schöne Westernsounds mitgeliefert werden. Die Ballade 'Die Waldfee' erinnert sehr an Symphonic Metal und hat weiblichen Gastgesang mit an Bord. Eine reine Belustigung stellt 'Ugala Bugala' dar. Es ist quasi der Partysong für Kids, wo andere Bands von Alkoholexzessen singen, geht es hier um Süßigkeiten. Ob Dschungelbeats und der Refrain mit Ugala Bugala noch zeitgemäß sind, muss wohl jedes Elternteil für sich entscheiden. 'Dinos Woll'n Euch Tanzen Seh'n' ist ein Cover von Rock You Like A Hurricane von den Scorpions. Daher fetzt es natürlich richtig gut und auch ältere Semester werden ihren Spaß mit dieser Interpretation haben. 'Wir woll'n Futter' ist eine Hymne auf die ständig hungrige Brut und gibt wirklich bedenkliche Nahrungsmittelkombinationen zum Besten. Das dabei auch schonmal ins Mikro gerülpst und gepupst wird versteht sich bei einer Band für Kinder ja fast von selbst.

'Stark Wie Ein Tiger' ist dann das zweite Cover und diesmal von Eye of the Tiger. Genau wie im Original geht es auch hier darum aufzustehen und sich nicht unterkriegen zu lassen. 'Ufowerkstatt' kommt ein bisschen ziellos daher und ich weiß auch nicht ob der Text so direkt bei den Kids ankommen wird. Es wirkt ein bisschen so, als ob man nicht wusste was man mit dem Thema nun anfangen soll. 'Das letzte Mammut' ist eine wirklich sehr gelungene Ballade und verarbeitet das Thema Tod und Abschied nehmen wirklich vorbildlich. 'Ich will einen Milchshake' hat definitiv etwas von Smoke on the Water und 'Was willst du mal werden?' bietet doch tatsächlich ein Feature mit Kärbholz und hört sich dabei aber stark nach Lordi an.

Photo by Susanne Mueller

Bei 'Ein beklopptes Rentier'  merkt man die Herkunft des Orginals aus Finnland deutlich an. So ist es textlich doch eher auf finnische Kinder ausgelegt, aber auch Deutsche dürften ihren Spaß damit haben. Und wo das Rentier schon da ist, darf auch ruhig schonmal an Weihnachten gedacht werden und deswegen ist 'Tanzen, Tanzen, Tanzen' auch direkt schon ein Lied für genau dieses Fest. Danach geht es im besten 80er Jahre Stil in die 'Dino Disko' . Eine klare Botschaft bringt natürlich 'Wir wollen Mobbingfrei' mit und holt sich dabei als Gast den aus dem Kinderfernsehen bekannten Komiker und Moderator Tom Lehel. Rein musikalisch bedient man sich dabei auch ein kleines bisschen bei Rammstein. Als Bonus gibt es dann noch eine zweite Version von 'Das letzte Mammut' diesmal aber mit Gastgesang von Doro Pesch.

"Retter der Welt" bietet solide Metalunterhaltung für Kinder, wobei die Botschaften im Titeltrack und 'Wir wollen Mobbingfrei' schon mit einem Dampfhammer in die Kinderköpfe gehauen werden sollen. Aber grade für Eltern, die selber eher der härteren Musik zugetan sind, bietet es ein tolles Musikprogramm für Kinder, bei dem man auch beim x-ten Durchlauf nicht genervt ist. Zielgruppentestkind Bene (4 Jahre alt), fand das Album nach einmaligem Hören auch recht gut, hatte aber kein Lied, bei dem er sich sofort gemeldet hat, dass er es sofort wieder und wieder hören will.

Album-VÖ: 27.03.2020